Presse 2020

14.07.2020 BZ Lebensräume für Schmetterlinge im Breisgau werden immer kleiner

Was wurde aus dem Admiral?

Von Gabriele Hennicke Di, 14. Juli 2020

 Die Lebensräume für Schmetterlinge werden immer kleiner – das beobachten Experten im Freiburger Umland.

Zitronenfalter, Schwalbenschwanz, Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs: Schmetterlinge, die früher in Massen vorkamen, sieht man heute meist nur als Einzelexemplare. Nicht nur die Zahl der Arten ist dramatisch zurückgegangen, sondern auch die der Individuen. Die BZ hat sich bei Experten im Freiburger Umland umgehört.

 

"In der Masse kann ich die Ergebnisse der Krefeld-Studie, die einen Rückgang der Biomasse von Insekten innerhalb von wenigen Jahrzehnten um 75 Prozent festgestellt hat, bestätigen. Mein Bauchgefühl hatte mir schon länger ähnliches gesagt", sagt Schmetterlingsexperte André Grabs aus Gundelfingen. Er beschäftigt sich schon seit seiner Kindheit mit Schmetterlingen, beobachtet sie seit drei Jahrzehnten und kartiert sie für die Landesdatenbank. "Eigene Beobachtungen sind immer subjektiv, für eine wissenschaftliche Beobachtung muss man einen bestimmten Bereich über Jahre überwachen und kartieren, um eine Aussage zu treffen, ob eine Art zu- oder abnimmt", erklärt er.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig

Die Zusammenhänge seien höchst komplex und unglaublich spannend. Klimaschwankungen, Parasitenbefall, die Entwicklung der Schmetterlingsfeinde wie Vögel und Wespen – sie alle haben Einfluss auf das Vorkommen der Schmetterlinge, sagt Grabs, der auch als Schmetterlingsguide Gruppen führt und Gemeinden bei der Anlage von Wiesenflächen berät.

Viele Schmetterlinge sind stark auf bestimmte Blätter spezifiziert, die Raupen der Tagpfauenaugen und Kleinen Füchse beispielsweise auf die Blätter der Brennnessel. "Die gibt es zwar überall in der Landschaft, vorwiegend aber an Waldrändern und in Schattenbereichen – und genau da nützen sie den Raupen nicht. Entscheidend ist der Standort der Pflanze und der muss ein sonniger sein, damit sich die Larve schnell entwickeln kann. Im Schatten werden keine Eier abgelegt", erläutert der Vorsitzende der BUND-Gruppe in Gundelfingen die Zusammenhänge.

Zu wenig Brennnesseln in der freien Flur


In der freien Flur allerdings gebe es kaum noch Ackerränder, an denen Brennnesseln wachsen könnten. "Die Kulturlandschaft hat Schmetterlinge als Beiwerk hervorgebracht, die industrielle Landwirtschaft die Insekten vertrieben. Ihre Lebensräume schwinden, das Mosaik der Wiesenflächen fehlt", lautet die Diagnose des Experten. Einzig in Naturschutzgebieten wie dem Zentralkaiserstuhl und der Trockenaue bei Grißheim gebe es noch eine Vielzahl an Arten, auch sehr seltene wie den Gelbringfalter und den Goldenen Scheckenfalter.

"Der Schwalbenschwanz war früher ein Massentier, heut sieht man allenfalls noch einzelne." Jürgen Hensle, Nabu Kaiserstuhl

Jürgen Hensle aus Eichstetten war neun Jahre lang Vorstand des Nabu Kaiserstuhl und beobachtet die Schmetterlinge im Zentralkaiserstuhl mit seinen Naturschutzgebieten rund um Badberg und Haselschacher Buck seit mehr als 40 Jahren. "Der Schwalbenschwanz war früher ein Massentier, heut sieht man allenfalls noch einzelne", sagt er. Nach seiner Beobachtung hat die Anzahl der Schmetterlinge im Zentralkaiserstuhl um 90 Prozent abgenommen, die Artenvielfalt ebenfalls sehr deutlich, aber nicht ganz so stark. Im Zentralkaiserstuhl gab es das letzte Vorkommen des Großen Waldportiers in Deutschland, 2018 sei er ausgestorben. Weil der Kaiserstuhl eine Insel in der Kulturwüste sei, kommen von außen keine Insekten rein, so Hensle. Ein Jahr mit Parasitenbefall oder schlechter Witterung könne da katastrophal sein.

Stickstoff und Dürre bereiten Probleme

Ein weiteres Problem sei der Stickstoffeintrag durch die Luft in die Böden der mageren Trockenrasen. Der führe dazu, dass sich standortfremde Pflanzen ansiedeln, die das Mikroklima verändern. "Seit 2017 setzt zudem der Klimawandel den Insekten massiv zu. Unsere heimischen Arten sind nicht an mediterrane Dürreperioden angepasst."

"Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach eins, also bereits viel zu spät für die Rettung der Insekten." Jürgen Hensle


Helfen würde nur ein tiefgreifender Wandel in der Land- und Forstwirtschaft, die schon seit mehr als 100 Jahren, verstärkt aber nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Insektizide setze. "Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach eins, also bereits viel zu spät für die Rettung der Insekten", sagt der Experte wenig hoffnungsvoll.

Leonhard Siegwolf ist der Initiator des Naturlehrpfades Brunnengraben in Schallstadt-Mengen. Auch er beobachtet, dass es immer weniger Schmetterlinge gibt. Schwalbenschwanz und Admiral seien nur noch selten zu beobachten.


Der Lebensraum für die Tiere werde immer kleiner, mit jedem neuen Baugebiet verschwinden Wiesen und Bäume, beklagt Siegwolf. "Schlimm ist auch die Spritzerei in der Landwirtschaft." Er hält es daher für wichtig, bereits Kinder für die Vielfalt der Natur zu sensibilisieren. Das Projekt Brunnengraben sei ein Beispiel dafür. Jeder einzelne könne zudem in seinem Garten mit dem Setzen von Pflanzen, die Schmetterlinge anlocken, etwas für die Verbesserung von deren Lebensraum tun.

Schmetterlinge
Schmetterlinge bilden mit knapp 160.000 Arten nach den Käfern die artenreichste Insekten-Ordnung. Sie sind auf allen Kontinenten verbreitet. In Deutschland gibt es etwa 3700 Schmetterlingsarten.

Schmetterlinge durchlaufen während ihres Lebens einen besonderen Zyklus: Aus Eiern entwickeln sich flugunfähige Raupen, die dank intensiver Nahrungsaufnahme erheblich wachsen. Am Ende des Raupenstadiums bilden sie eine festere Hülle, die sogenannte Puppe. In den Puppen bilden sie Flügel aus und wandeln sich zur flugfähigen Form der Falter um.

Die erwachsenen Tiere nehmen mit ihrem Saugrüssel Nahrung auf, meist Blütennektar. Sie fliegen dazu eine Vielzahl verschiedener Blüten an und sind deswegen auch für deren Bestäubung wichtig. Einige Pflanzen mit tiefen Blütenkelchen können nur von Schmetterlingen bestäubt werden

 

30.06.2020 BZ Fleißige Helfer gegen die lästigen Fliegen

Fleißige Helfer gegen die lästigen Fliegen

Von BZ-Redaktion Di, 30. Juni 2020 Vogtsburg

Im Oberrotweiler Weingut Peter Wagner sind Rauchschwalben schon seit Jahren sehr willkommen / Auszeichnung vom NABU.


Andreas Galli (links) vom Naturschutzbund Kaiserstuhl hat Peter Wagner die Urkunde „Schwalbenfreundliches Haus“ verliehen. Foto: Barbara Mutke

 (bm). Das Weingut Peter Wagner in Oberrotweil ist vom Naturschutzbund (NABU) Kaiserstuhl mit der Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" ausgezeichnet worden.
Auf dem Weingut verbringen seit Jahrzehnten Rauchschwalben ihre Brutzeit in unseren Gefilden. Schwalben sind seit jeher beliebt. Sie gelten als Glücksboten und ihre Rückkehr kündigt den Sommer an. Seit langem leben sie als Kulturfolger bei den Menschen in der Stadt, am Haus und im Hof.
Viele Zugvögel werden getötet
Doch die Glücksbringer haben es dieser Tage bei uns nach Angaben des NABU nicht leicht. Als Zugvögel, die jedes Jahr tausende Kilometer zwischen Brutplatz und Winterquartier zurücklegen, fehlen ihnen zunehmend wichtige Rastgebiete unterwegs. Immer noch werden sie unterwegs illegal in Netzen und an Leimruten gefangen oder aber abgeschossen. Jedes Jahr kehren Millionen Zugvögel nicht in ihre heimischen Brutgebiete zurück.
Am Kaiserstuhl angekommen, ist es für die Tiere immer schwieriger, geeignete Nistmöglichkeiten, Material für ihren Nestbau oder Nahrung zu finden. Vielerorts sind sie zudem von Menschen nicht mehr erwünscht. Nester werden mutwillig zerstört oder die Schwalben beim Nisten behindert.

"Doch das ist illegal", heißt es in der Mitteilung des NABU. Laut Bundesnaturschutzgesetz seien die Nester der kleinen Flugkünstler geschützt und dürften weder beschädigt noch entfernt werden. Bei Haussanierungen seien Ersatznester anzubringen.
Aus diesen Gründen hat der NABU die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" ins Leben gerufen. Diejenigen Hausbesitzer erhalten eine Plakette, die Schwalben an ihren Häusern brüten lassen, dafür auch zusätzliche Nisthilfen aufhängen oder eine Lehmpfütze für die Tiere anlegen. Sie soll zudem Menschen ermutigen, mit Kunstnestern Schwalben bei sich aufzunehmen.
Sechs Nester haben Rauchschwalben bei Familie Wagner im Hof ihres Weingutes in Oberrotweil schon vor vielen Jahren aus Lehm gebaut. Gerade Rauchschwalben sind vom Rückgang ihrer Art stark betroffen. Sie nisten vor allem in Ställen und Höfen. Ihnen hilft es, einen Zugang offenzuhalten und den regen Flugverkehr zur Brutzeit zu dulden. Gibt es noch Tiere im Stall, wie bei Familie Wagner, so ist für Nahrung gesorgt und die Fliegenplage in Schranken gehalten. Peter Wagner geht es beim Schutz der Schwalben zudem um die Erhaltung der Biodiversität.
Er beobachtet den Artenrückgang in seiner Umwelt mit Sorge und versucht auch aus diesem Grund, mit einer biodynamischen Wirtschaftsweise im Weinberg die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Dazu gehören zahlreiche Wildkräuter, Insekten und eine an Bodenleben reiche Erde in seinen Weinbergen. Die Vögel gehören für ihn zum Biotop dazu. Gerne gibt er seine Kenntnisse weiter und führt Interessierte durch seinen Weinberg.
Als Anerkennung für seine Bereitschaft, die bedrohten Vögel willkommen zu heißen und zu unterstützen, verlieh Andreas Galli vom NABU Kaiserstuhl der Familie Peter Wagner die Plakette und Urkunde "Schwalbenfreundliches Haus".
Informieren und bewerben können sich Schwalbenfreunde dafür unter http://www.NABU.de/schwalben oder beim NABU Kaiserstuhl, bei dem es auch Schwalbennester zu erwerben gibt.
Ressort: Vogtsburg Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Di, 30. Juni 2020:
19.06.2020 Eichstetter NB Schwalbenfreundliches Häuser

Freitag, den 19. Juni 2020 Eichstetter Nachrichtenblatt

NABU Kaiserstuhl

Gleich 2 Häuser in einer Straße in Eichstetten wurden vom NABU Kaiserstuhl mit der Plakette Schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet! Sowohl bei Elsbeth und Manfred Breisacher als auch bei Gustav Enderlin sind Mehlschwalben in ihrer Hofeinfahrt willkommen. Schwalben sind seit jeher beliebt. Sie gelten als Glücksboten, und ihre Rückkehr kündigt den Sommer an. Seit langem leben sie als Kulturfolger bei den Menschen in der Stadt, am Haus und im Hof. Doch die Glücksbringer haben es dieser Tage bei uns nicht leicht. Als Zugvögel, die jedes Jahr tausende Kilometer zwischen Brutplatz und Winterquartier zurücklegen, fehlen ihnen zunehmend wichtige Rastgebiete unterwegs. Immer noch werden sie unterwegs illegal in Netzen und an Leimruten gefangen, oder aber abgeschossen. Jedes Jahr kehren Millionen Zugvögel nicht in ihre heimischen Brutgebiete zurück. Bei uns angekommen, ist es für die Tiere immer schwieriger, geeignete Nistmöglichkeiten, Material für ihren Nestbau oder Nahrung zu finden. Vielerorts sind sie zudem von Menschen nicht mehr erwünscht. Nester werden mutwillig zerstört oder die Schwalben beim Nisten behindert. Doch auch das ist illegal. Laut Bundesnaturschutzgesetz sind die Nester der kleinen Flugkünstler geschützt und dürfen weder beschädigt noch entfernt wer-den. Bei Haussanierungen sind Ersatznester anzubringen. Aus diesen Gründen hat der NABU die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ ins Leben gerufen: Diejenigen Hausbesitzer/-innen er-halten eine Plakette, die Schwalben an ihren Häusern brüten lassen, dafür auch zusätzliche Nisthilfen aufhängen oder eine Lehmpfütze für die Tiere anlegen. Sie soll zudem Menschen ermutigen, mit Kunstnestern Schwalben bei sich aufzunehmen. In der Hofeinfahrt von Elsbeth und Manfred Breisacher hatte im vergangenen Jahr ein Mehlschwalbenpaar an einem T-Träger ein Nest gebaut und auch gebrütet. Dieses Jahr versuchten es dort weitere Schwalben, aber das Nestmaterial fiel immer wieder ab. Bei Engelbert Mayer vom NABU Kaiserstuhl holten sie sich Rat und bekamen auch gleich zwei Doppelnester für Mehlschwalben aus dem Fundus der Ortsgruppe. Zwei Tage nach der Anbringung der Nester in der Hofeinfahrt waren alle vier belegt, dazu zwei weitere natürliche Nester. Nun herrscht Trubel in der Einfahrt, Jubel bei den Naturschutzmachern! Sorgen macht sich Manfred Breisacher um das Nestmaterial. Er beobachtete, dass die Mehlschwalben mit künstlichem, flies ähnlichem Material versuchen, weitere Nester zu bauen, was nicht funktioniert. Nun will er eine Lehmpfütze im Garten anlegen. Dort könnten sich die Vögel den nötigen Lehm für einen erfolgreichen Nestbau besorgen.

Einige Häuser weiter geht es in der Hofeinfahrt bei Gustav Enderlin ebenso lebhaft her. Sechs Mehlschwalbennester sind belegt, und die Jungen schlüpfen gerade. Ein benachbartes Kunstnest für Rauchschwalben wurde geschickt mit Lehmkügelchen zu einem weiteren Mehlschwalbennest umgebaut. Einerseits ist die Fähigkeit dieser Vögel, sich Nestmöglichkeiten zu verschaffen, erstaunlich und bewundernswert, andererseits bezeugt es das Fehlen geeigneter Plätze für unsere Schwalben. Deshalb will Gustav Enderlin noch zwei weitere Doppel-Kunstnester anbringen. Engelbert Mayer und Barbara Mutke würdigten gerne die Naturschutzmacher in Eichstetten, das Ehepaar Breisacher und Herr Enderlin, mit einer Urkunde und Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“.
Barbara Mutke NABU Kaiserstuhl 13. Juni 2020
30.05.2020 Echo Maikäfer mögen ́s warm

Maikäfer mögen ́s warm

Wichtige Rolle im Ökosystem / Größte Schäden immer im Jahr nach dem Maikäferflug

Der Maikäfer ist als früher Sommerbote und in unserer Gesellschaft bekannt. Alle vier Jahre sind Maikäferjahre und zusätzlich kommt es etwa alle 30 Jahre zu Massenplagen. Das ist ein Rhythmus, der wohl im Zusammenhang mit dem Auftreten von Krankheiten und Parasiten steht, welche die Käfer befallen. Schon Wilhelm Busch machte in einen Reim auf den beliebten Käfer aufmerksam und jetzt im Mai ist die Hauptflugzeit der Tiere. Einige ältere Menschen erinnern sich noch gut daran, wie sie als Kinder Maikäfer auf den Feldern sammelten und vielleicht auch dar-an, dass es mit der großen Zahl von Maikäfern irgendwann vor-bei war. „Es gibt keine Maikäfer mehr“ sang 1974 Liedermacher Reinhard Mey. Tatsächlich ist bis in die 1980er Jahre die Populationen der Maikäfer stark zurückgegangen. Das wurde damals vor allem mit der wachsen-den Umweltverschmutzung in Verbindung gebracht, auch der Einsatz von Insektiziden wie DDT hat dabei wohl eine Rolle gespielt.
Die vollausgebildeten Käfer verharren im Boden und warten auf warme und sonnige Tage. Ende April Mai bis Mitte Juni fliegen sie aus. Wann die erwachsenen Käfer aus dem Boden kommen, hängt davon ab, ab wann es im Frühjahr warm wird. Maikäfer können bei ihrem Reife-Fraß vor der Paarung am Waldrand Laubbäume wie Buchen oder Eichen schon einmal kurzzeitig kahl fressen. Die Bäume er-holen sich wieder und bilden mit dem Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Doch der Maikäfer ist eigentlich kein guter Flieger, er fliegt lediglich bis zu nahe gelegenen Bäumen. Maikäfer sind Weltmeister in Sachen effektiver Familienplanung. Hochzeitsflug, Begattung, Reife-Fraß (rund 10 Tage) und Eiablage erledigt die Elterngeneration in nur wenigen Tagen. Nur in diesen Tagen haben Forst- und Landwirte die Chance, zukünftigen Maikäferplagen entgegenzuwirken. Gemeinsam mit den Käfern starten deshalb mitunter auch die Hubschrauber, wenn die Genehmigung dazu erteilt wird. Ein versprühtes Insektizid führt in der Regel nicht zum Tod der Käfer, aber ihre Fresslust nimmt rapide ab, sie werden träge. Das Maikäferweibchen entwickelt weniger Eier. Das heißt, es schlüpfen weniger Engerlinge und damit auch weniger Käfer in der Folgegeneration. Befruchtete Weibchen kehren zur Eiablage möglichst an die Stelle ihres Ausschlüpfens zu-rück. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier schubweise mit etwas Kot in die Erde. Der Kot liefert den geschlüpften Larven Bakterien zur Verdauung von Wurzeln, ihrer Nahrungsgrundlage. Und das war es dann schon mit dem kurzen Käferleben, die Männchen sterben nach der Begattung, die Weibchen nach der Eiablage. Die Larven, die Engerlinge, durchlaufen mehrere Stadien in ihrem Lebenszyklus, bis sie drei oder vier Jahre später, wie-der als Maikäfer für ihren Flug aus dem Boden kriechen. In der Natur hat sich das so eingependelt, dass an den meisten Orten nur alle drei bis vier Jahre ein sogenanntes Hauptflugjahr ist, in dem man im Frühjahr viele Maikäfer bei ihrem Flug zur Paarung beobachten kann. Es gibt jedoch Orte, an denen sich über die Jahrzehnte aufgrund von Wetterkapriolen mehrere zeitversetze Generationen entwickelt haben und quasi jedes Jahr ein Maikäferflug zu beobachten ist. Als Schädlinge spielen die Engerlinge, die Larven der Maikäfer, mit ihrem verheerenden Wurzel-Fraß die größere Rolle. Der Kahlschlag findet unter der Erde statt. Besonderen Heiß-hunger entwickeln die Engerlinge im zweiten und dritten Entwicklungsjahr bis zu ihrer Verpuppung. Sie kennen nur wenige natürliche Fressfeinde, mit Insektiziden ist ihnen eben-falls nicht beizukommen.
Gebietsweise versucht man, wie in Vogtsburg, die Entwicklung der Engerlinge durch die biologische Methode unter Einsatz des Beauveria-Pilzes zu stoppen. Ob sich die Engerlingszahlen jedoch mit dieser biologischen Methode weit genug senken lassen, um Baumschulen oder Junganlagen ausreichend zu schützen, wird gegensätzlich diskutiert. Schon in der Vergangenheit stand weniger die Faszination der gemütlichen Brummer im Vordergrund, als deren Bekämpfung. Die Methoden zeugten dabei oft von der Verzweiflung gegenüber dem Milliardenheer der Käfer. Im Jahr 1320 etwa befahl man den Maikäfern in Avignon per Gerichtsbeschluss, dass sie sich „binnen drei Tagen auf ein ihnen durch Tafeln bezeichnetes Feld zurückzuziehen hätten, woselbst Nahrung für sie vorhanden sei, und dass die Zuwiderhandelnden als vogelfrei behandelt und ausgerottet werden sollten.“Im Herbst ihres Geburtsjahres ziehen sie sich die Larven zum Überwintern in tiefere Erdschichten zurück. Wenn sie dann im darauffolgenden Frühjahr wieder in höhere Erd-schichten kommen, sind sie ganz besonders gefräßig und beginnen, sobald es wärmer wird, das Wurzelwerk im Bo-den abzufressen. Wegen dieses besonders gefräßigen zweiten Jahres ist immer das Jahr nach einem Maikäfer-Hauptflugjahr das mit den größten Schäden. Die Engerlinge ernähren sich vornehmlich von Wurzeln junger Bäume, gerne auch in den Baumschulen des Obst- und Zierpflanzenbaus. Rund um den Kaiserstuhl fressen sie auch ger-ne am Wurzelwerk empfindlicher Jungreben. Die Engerlinge machen aber auch vor Gemüse, Erdbeeren und Kartoffeln nicht halt. Der Kahlschlag findet also unter der Erde statt. Besonderen Heißhunger entwickeln die Engerlinge im zweiten und dritten Entwicklungsjahr bis zu ihrer Verpuppung. Sie kennen nur wenige natürliche Fressfeinde, mit Insektiziden ist ihnen eben-falls nicht beizukommen. Neben diesen lokal auftreten-den Schäden, die betroffenen Landwirten Sorgen bereiten, gibt es aber auch Gründe, sich über eine Erholung bei den Maikäferpopulationen zu freu-en. Es gibt eine wichtige Rolle von Maikäfern und anderen Großinsekten, denn sowohl die Engerlinge als auch die ausgewachsenen Käfer sind wichtig als Fressen für Tierarten. Für Vögel, Fledermäuse, Maulwürfe, Igel oder Spitzmäuse. Wäre die Nahrungskette noch vollständig intakt, würde sich auch die Fra-ge der Schädlingsbekämpfung nicht unbedingt stellen. Andreas Galli, Vorstand des NABU Kaiserstuhl, betont „Es gibt kein Maikäferspezifisches Gift, wenn gespritzt wird, gibt es einen stillen Frühling. Das für die Maikäferbekämpfung eingesetzte Neem Azal ist ein Fraßgift das unspezifisch tötet, d.h. es trifft alle Insekten, kurz, wer frisst ist tot. Dazu kommt, dass dabei die Maikäferbekämpfung am Waldrand stattfindet und damit weitab der Flächen die man vor den Maikäfern schützen will. Dieser Aspekt wird unserer Meinung nach in der Abwägung zu wenig berücksichtigt. Spritzen ist nicht das Nonplusultra und schon gar kein Rundumsorglos-Paket. Es gibt dazu keine pauschalen Genehmigungen. 2015 war das letzte Hubschrauberbekämpfungsjahr am sensiblen Waldrand. Andere Bekämpfungs- und Vermeidungsmethoden wie Beauveriapilz oder Ablenkungsfütterung werden zu wenig ein-gesetzt und müssen stärker er-forscht werden. Gerade für den Beauveria-Pilz ist es oftmals zu trocken am Kaiserstuhl und da-mit ist dieser nur bedingt einsetzbar. Der Dreijahreszyklus des Maikäfers ist derzeit nicht mehr feststellbar. Glücklicher-weise ist in den letzten Jahren die Anzahl der Engerlinge so-weit zurück gegangen, dass eine gewisse Entspannung eingekehrt ist. Wir hoffen, dass trotz-dem weiter daran gearbeitet wird, dass endlich andere Methoden des Umgangs mit dem Maikäfer gefunden werden. Denn letztendlich betrifft es die ganze Gesellschaft, wie wir mit unserer Umwelt - genauer Mitwelt umgehen. Wir alle leben, direkt oder indirekt von und mit der Natur“. ek
29.02.2020 BZ Den Vögeln und Rehen auf der Spur

Den Vögeln und Rehen auf der Spur

Von Horst David Sa, 29. Februar 2020 Bötzingen


Der Naturschutzbund Kaiserstuhl veranstaltet Aktionen mit Kindern in Eichstetten und Bötzingen / Nistkästenkontrolle .

Mira Steck und Andreas Galli zeigen einem Kind eine Niströhre. Foto: Horst David

BÖTZINGEN/EICHSTETTEN. Die Kindergruppe des Naturschutzbunds (Nabu) Kaiserstuhl ist seit Januar wieder aktiv. Immer samstags geht es mit den Jugendbetreuerinnen Mira Steck und Lena Strauß hinaus in die Natur. Oft ist auch Andreas Galli dabei, Vorsitzender des Nabu-Kaiserstuhl. Für alle drei ist es wichtig, Kinder an die Natur heranzuführen.


Der Nabu-Kaiserstuhl sei "so froh, Veranstaltungen für Kinder anbieten zu können", erklärt Galli. Wissen über die Natur sei heute nicht mehr selbstverständlich, aber wichtiger denn je, bekräftigt Mira Steck aus Denzlingen. Im Februar säuberten und prüften Steck und Galli die Nistkästen bei der Streuobstwiese im Etlisbachtal in Bötzingen. Sie öffneten die überall aufgehängten Nistkästen. War viel Moos drin, so war es ein Brutplatz für die Kohl- oder Blaumeise. Mit viel weniger Moos dagegen ausgepolstert sind die Nistkästen von Wendehälsen. Die besonders breiten Steinkauz-Nistkästen sind innen so angeordnet, dass kein Marder herein kommt, sondern nur der Steinkauz. Außerdem werden sie auf dicken Ästen angebracht, damit junge Steinkäuze, falls sie herausfallen, wieder sicher zum Brutplatz auf dem Baum hochklettern können.

Auch zwei Wiedehopfhäuser gibt es auf der Streuobstwiese. Sie sind als Brutstätten für den Wiedehopf nötig, weil es weniger Rebhäusle im Kaiserstuhl gibt. In einigen Nistkasten fanden sich auch alte Vogeleier, die nicht ausgebrütet wurden.

Ein weiteres Nabu-Thema für Kinder war der Lebensraum der Rehe im Eichstetter Wald. Bei einem Waldspaziergang erklärten Mira Steck und Lena Strauß den zwölf Kindern das Leben der Rehe. Die nehmen mit ihrem ausgeprägten Hör- und Geruchssinn ihre Umgebung wahr und bemerken sehr früh nahende Feinde. Besonders im Winter sei es besonders wichtig, die scheuen Tiere nicht zu erschrecken, wurde den Kindern erklärt. Wenn Tiere weglaufen, kostet das ihre Energiereserven.

Die Kinder lernten auch die Unterschiede zwischen Hirsch und Reh kennen. Der leichte Körper des flinken Rehs und das kleine Geweih des Rehbocks seien perfekt an das Leben im Wald angepasst. Größter Feind sei der Mensch, erfuhren die Kinder: Im tiefen Gras liegend sei ein Rehkitz Mähern schutzlos ausgeliefert. Rehe ernähren sich oft von der Rinde junger Bäume und würden daher von Jägern für einen gesunden Wald erlegt. Es sei wichtig, die Jagdzeiten einzuhalten, um die Rehbrutzeit und auch andere Tiere nicht zu stören.

Ressort: Bötzingen

  • Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Sa, 29. Februar 2020
10.01.2020 BZ Eine neue Heimat für die gefiederten Glücksboten

20200110_BZ_Eine_neue_Heimat_fuer_die_gefiederten_Gluecksboten

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