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Liste der zurück-gekehrten Vögel

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AKW Fessenheim

24.02.2020 462. Mahnwache, der erste Block ist abgeschaltet
Liebe NABU Freundinnen und Freunde,

nach Jahrzehnten des Widerstands, begonnen 1973 in Breisach und im Wyhler Wald, und 461 montäglichen Mahnwachen nach dem GAU von Fukushima 2011, ist am 22. Februar 2020 der Reaktorblock I im AKW Fessenheim endgültig abgeschaltet worden.
Teil-Erleichterung bei der 462. Mahnwache am Rosenmontag:

462-Mahnwache_FessenheimUte Friedrich und Günther Sacherer aus dem Kaiserstuhl - seit den Anfängen im Widerstand dabei!


Am Freitag, 28. Februar 2020, gibt es aus diesem Anlass einen Dreyeckland-Musikabend um 19 Uhr in der Martinskirche Müllheim - sehet das Plakat im Anhang.
Die Anspannung bleibt aber noch erhalten bis 30. Juni 2020 - der Tag, an dem auch der 2. Reaktorblock in Fessenheim abgeschaltet werden wird.
Die Mahnwache Dreyeckland gegen Atomkraft und für die Schließung des Atomkraftwerks Fessenheim trifft sich deshalb weiterhin jeden Montag von 18 bis 19 Uhr am Neutorplatz in Breisach.
25.10.2019 KWB Was damals geschah, wirkt heute nach
20191025_KWB_Was_damals_geschah-wirkt_bis_heute_nach
20191025_KWB_Was_damals_geschah-wirkt_bis_heute_nach
16.01.2017 300. Mahnwache gegen das AKW Fessenheim

Auf dem Neutorplatz

300. Mahnwache für die Abschaltung des AKW Fessenheim

 "300. Mahnwache  - wie lange noch?" Diese Frage stand bei der  Montagsmahnwache gegen Atomkraft und für die sofortige Abschaltung des  elsässischen Kernkraftwerks Fessenheim auf einem Transparent. Auf dem  Breisacher Neutorplatz hatten sich bei klirrender Kälte über 60  Teilnehmer zu der seit fast sechs Jahren stattfindenden Kundgebung  eingefunden.

Bild Badische Zeitung

Bild Badische Zeitung


Auf dem Breisacher Neutorplatz forderten  die Atomkraftgegner, die beiden Meiler schnell vom Netz zu nehmen /  Hilfe für die Beschäftigten in Aussicht gestellt  Foto: Kai Kricheldorff

 Die Breisacher Mahnwache habe als Teil der  Anti-Atom-Protestbewegung im Dreyeckland dazu beitragen können, dass es  immer deutlichere Anzeichen für die kurzfristig bevorstehende Schließung der beiden Reaktoren des AKW Fessenheim gebe, stellte  Mahnwachenorganisator Gustav Rosa von der Initiative Pro Alterna fest.

Deutsche und französische AKW-Gegner gingen bereits seit einiger Zeit  neue Wege und kümmerten sich um die Ängste und Befürchtungen der  Beschäftigten in Fessenheim, deren Arbeitsplätze akut gefährdet sind,  wenn die beiden Meiler abgeschaltet werden. "Wir strecken dazu unsere  helfende Hand über den Rhein aus", so Rosa, nach dessen Worten es  Möglichkeiten und Wege gebe, eine neue Wirtschaftsregion im Dreyeckland  aufzubauen. Darüber müsse jetzt ernsthaft und auch auf lokalpolitischer  Ebene geredet werden.

An der 300. Mahnwache am Montagabend nahmen rund 60 Anti-AKW-Aktivisten  aus Breisach, vom Kaiserstuhl und dem Tuniberg, aus dem Markgräflerland  und dem Elsass teil.

Viele von ihnen hatten für sich und für die Teilnehmer Gebäck und heiße  Getränke mitgebracht und Eckard Zöllner spielte dazu auf seiner  Drehorgel. Wie lange noch werden sich die Atomkraftwerksgegner auf dem Breisacher  Neutorplatz treffen? Heute erscheint fraglich, ob es jemals eine 400.  Montagsmahnwache geben wird. Kundgebung Nummer 301 findet aber auf jeden Fall am 23. Januar um 18 Uhr auf dem Neutorplatz statt. Kommenden  Montag, wie gehabt.

05.04.2012 50. Montagsmahnwache gegen das AKW Fessenheim

Seit 50 Wochen findet in Breisach immer Montags eine Mahnwache statt.
Sie wird vom SPD-Ortsverein Breisach organisiert und ist parteiübergreifend. Dabei wird das sofortige Abschalten aller AKWs gefordert - für immer und ewig und die sofortige Stilllegung des AKW Fessenheim. Auch NABU-Aktive beteiligen sich von Anfang an an dieser Mahnwache.

Mit Ute Friedrich und Günther Sacherer, Mitgliedern der NABU-Kaiserstuhl Gruppe,
konnte das folgende Interview zu den Montagsmahnwachen geführt werden:

  

1. Was ist das - die Montagsmahnwache?  
Aufgegriffen von den Montagsdemos um die Nikolaikirche in Leipzig und anderen Orten der ehemaligen DDR. Bundesweit begonnen nach der Katastrophe von Fukushima.

2. Wie kam die Montagsmahnwache in Breisach zustande?
Hauptinitiator war von Anfang an Gustav Rosa aus Niederrimsingen und Mitstreiter aus Breisach und Umgebung, die Fessenheim in der Nähe haben.

3. Wo gibt es noch Mahnwachen im Umkreis?
Weisweil, Endingen, Emmendingen, Freiburg haben bis Winterbeginn regelmäßig Mahnwachen oder Demos abgehalten, Breisach und Müllheim haben ohne Unterbrechung bis heute durchgehalten. Weisweil hatte auch am gleichen Tag wie Breisach die 50. Montagsmahnwache. Sie haben jedes Mal ca. 30 Personen, das ist sehr beachtlich für einen relativ kleinen Ort.

4. Wie reagieren die Mitbürger darauf?
Unterschiedlich. Manche hupen und geben Gas im Vorbeifahren (in der 20km-Zone!), andere bekunden Zustimmung, z.B. der Flammenkuchenbäcker vom Weihnachtsmarkt
hatte uns eingeladen; neulich hat die Eisdiele allen, die mit der Fahne unterwegs waren, eine Kugel Eis spendiert!

5. Gab es bisher Besuch von Politikern und Stadträten aus Breisach?
SPD-Stadträte und der ULB sind regelmäßig dabei, Christoph Bayer von der SPD war mehr als einmal hier, CDU-Leute machen sich rar.

6. Wie kamen Sie zur Anti-AKW-Bewegung?
Günter Sacherer ist seit 1971 dabei, als bei Breisach (außerhalb Jägerhof) ein Kernkraftwerk gebaut werden sollte. Später ging der Kampf in Wyhl weiter.

7. Ihr Ziel?
Die Stilllegung von Fessenheim.

8. Haben Sie ein persönliches „Durchhalte-Motto“?
Weitermachen, bis Fessenheim vom Netz geht. Im Moment kommt die Meldung über einen Störfall in der Normandie.

Mahnwache2Fotos: Gustav Rosa ©2012

Am Montag, den 2.4.12, hatte die 50. Mahnwache in Breisach stattgefunden.

Barbara Mutke 5.April.2012  

Aktuell 2020

Hilfe für Bienenfresser

In Eichstetten in einem kleinen, nur etwa 40 Meter langem Lösshohlweg, deren linksseitige Böschung nur eine Höhe von 1,80 m hat, brüten aktuell 3 Paare vom Bienenfresser.

Von den Bruthöhlen liegen zwei in Kopf- und eine nur in Brusthöhe. Nicht ungefährlich für Vogel und Mensch.

Es handelt sich bei dem Weg um einen unbefestigten, der bei der momentanen und extremen Trockenheit beim Befahren sehr viel Staub aufwirbelt.

Um die Brut in den Höhlen nicht so vielem Staub auszusetzen, habe ich mit Erlaubnis des örtlichen Bauhofes am Anfang und am Ende dieses kleinen Hohlweges für die Dauer der Fütterung Schilder aufgestellt.

Beim Einfahren steht darauf „Bitte langsam“ und beim Ausfahren „Danke.

 

So hoffen wir alle, dass die jungen Bienenfresser gesund ausfliegen können.

Engelbert Mayer, 14. Juli 2020

Standpunkte

Zu Natura 2000-Managementplan für das FFH-Gebiet 7911-341 „Kaiserstuhl“ und das Vogelschutzgebiet 7912-442 „Kaiserstuhl“

Zu Natura 2000-Managementplan für
das FFH-Gebiet 7911-341 „Kaiserstuhl“ und das
Vogelschutzgebiet 7912-442 „Kaiserstuhl“

Juni 2020
 
Wir unterstützen die vorgeschlagenen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Insbesondere zu den in Kapitel 6.2 gelisteten Erhaltungs – und Entwicklungsmaßnahmen wollen wir im folgenden Stellung beziehen.

Zu Kapitel 6.2
Viele Maßnahmen, wie sie in den Kapiteln ab 6.2.1 für die verschiedenen Lebensraumtypen angegeben sind, treffen auch auf die Böschungen zu, die in der Regel einem dieser Lebensraumtypen zugeordnet werden können. Ausgehend vom LEV Breisgau-Hochschwarzwald, wird an Böschungen vermehrt die Mahd mit Abräumen angewandt. Dies ist ein guter, vielversprechender und begrüßenswerter Ansatz.

Dennoch ist derzeit noch das Mulchen die Regel. Hier müssen Anstrengungen unternommen werden, damit zukünftig das Mulchen so wenig wie möglich angewandt wird.
 
Gerade an „privaten“ Böschungen wird oftmals bereits im April und im Mai, d.h. mitten in der Brutzeit und vor oder während der Blüte, mit der Pflege durch Mulcher oder Freischneider begonnen.

Eine der Maßnahmen, die im MaP oft genannt wird, ist die Extensivierung der Landnutzung. Es wird allgemein erwartet, dass aufgrund des aktuell stattfindenden Strukturwandels eine teilweise Stilllegung von Flächen erfolgen wird. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Flächen nach Stilllegung zum einen abgeräumt werden und zum anderen schnell in eine geregelte Pflege übergehen, bevor die natürliche Sukzession einsetzt.
 
Mehrfach angesprochen wird auch der Wert freistehender, großer und alter Bäume, die unbedingt erhalten und gefördert werden müssen. Große und alte Bäume sind bedauerlicherweise über die Jahre weitgehend aus der Reb- und Ackerlandschaft verschwunden. Bäume und Hecken sind Lebensraum für viele Arten und außerdem gestalterische Landschaftselemente.

Zu 6.2.18 Habitaterhalt und -pflege in Weinbauflächen
Dieses Kapitel behandelt im wesentlichen die Pflege der Böschungen. Diese wurde über Jahrzehnte nur unzureichend oder gar nicht durchgeführt und berücksichtigt. Eine fachgerechte Böschungspflege ist dringend notwendig und dient der Förderung sehr vieler Arten, letztlich auch der Offenhaltung der Böschungen, wie sie die Winzer als  notwendig erachten, und erhält das Landschaftsbild.
Sie erfordert allerdings eine Vielfalt von Maßnahmen, die die Eigentümer (leider auch Kommunen) aus technischen, physiologischen, organisatorischen oder finanziellen Gründen oft nicht leisten können oder wollen. Auch die inzwischen gut etablierten LEVs können dies aufgrund ihrer Ausstattung nur teilweise abdecken.

Im Arbeitskreis Böschungspflege wurde deshalb vermehrt eine Professionalisierung der Böschungspflege gesehen. Dies auch deshalb, um die bereits erwähnten freistehenden Bäume und Hecken zu fördern. Stattdessen wird sehr oft einfach alle paar Jahre ein ganzer Böschungsabschnitt vollständig von allem höheren Bewuchs „befreit“.

In diesem Kapitel fünfter Absatz steht der Satz: „Bei der Böschungspflege ist ein flächiger Herbizideinsatz zu vermeiden.“ Der Einsatz von Herbizid an Böschungen ist grundsätzlich verboten und soll es auch bleiben. Ein flächiger Einsatz ist nicht zu vermeiden, er ist verboten! Dieser Satz soll vollständig gestrichen werden.
Im Kapitel 6.2.18 wird außerdem die Reblaus bzw. die Bekämpfung der verwilderten Unterlagsreben angesprochen. Auch dieses Thema wurde im Arbeitskreis Böschungspflege schon intensiv diskutiert und inzwischen gibt es, gerade in Zusammenarbeit mit den LEVs, gute Ansätze wie vollständig zugewachsene Böschungen wieder in einen guten Zustand gebracht werden können. Die Naturschutzverbände haben hier einen begrenzten, zielgerichteten, punktuellen Einsatz von Herbiziden akzeptiert.

In diesem Zusammenhang wird praktisch nur von Böschungen gesprochen, die schon vollständig von verwilderten Unterlagsreben zugewuchert sind. Oftmals in Kombination mit Brombeere, womit das Freiräumen der Böschungen in jeder Hinsicht zur Herausforderung wird.
Leider ist an sehr vielen Böschungen zu beobachten, wie sich die verwilderte Unterlagsrebe in den Anfängen zeigt. Es ist zwingend und dringend, dass die verwilderten Unterlagsreben bereits in diesem frühen Stadium durch die Bewirtschafter entfernt werden. Gerade um die ganzen negativen Folgen zu vermeiden.

Bekämpfung im frühen Stadium ist vielfach schneller, einfacher, billiger, besser für die biologische Vielfalt und vermeidet zudem das Aufkommen der Reblaus. Hier muss viel stärker darauf gedrängt werden, dass keine weiteren Böschungen von verwilderten Unterlagsreben überwuchert werden.
 
In Kapitel 6.2.18 wird unter den Maßnahmen auch das kontrollierte
Brennen angegeben.
Von 2001 bis 2017 wurde das kontrollierte Brennen regelmäßig durch Allgemeinverfügung erlaubt. Der Arbeitskreis Böschungspflege hat Regeln definiert, nach denen die
Flämmungen jeweils durchzuführen waren. Nach vielen Jahren Diskussion und auch Streit ist im Jahr 2017 die Anzahl der falsch geflämmten Böschungen auf über 50% gestiegen – was bedeutet: „Es funktioniert nicht!“. Der Nutzen des kontrollierten Brennens ist nicht gegeben. Die Naturschutzverbände lehnen aus diesen Gründen das Böschungsflämmen ab.

6.2.19 Berücksichtigung von Horstschutzzonen
Die Vorschläge zum Horstschutz sollten in dem genannten Zeitraum von Anfang März bis Ende August einhaltbar sein.

Zu 6.2.26 Erstellung eines Besucherlenkungskonzepts
Ein Besucherlenkungskonzept ist sehr dringlich, da der Tourismus im Kaiserstuhl immer merkwürdigere und rücksichtslosere Ausmaße annimmt und zu einem zerstörenden Tourismus in der Natur wird, statt zu nachhaltigem Naturtourismus. Beispiele sind der Rückgang der Küchenschellen durch immer breiter werdende Wege, Picknick in diesen Wiesen, Events zur besten Brutzeit, Mountainbiken über den Badberg, Störungen in der Brutzeit und Betreten der Orchideenwiesen u.v.m.
Die Gründe für die Notwendigkeit eines Besucherlenkungskonzept sind ausreichend dargestellt und auch die Maßnahmen. Manche der Besucher lassen sich aufklären, viele Besucher zeigen sich jedoch unbelehrbar und lassen sich durch einen Naturschutzwart leider kaum beeindrucken.
Deshalb ist die Frage zu stellen, ob höhere Bußgelder einer Verbesserung der Situation dienlich sein können. Benötigt wird eine professionelle Kontrolle mit der Möglichkeit der direkten Sanktionierung.
Viele der genannten Punkte fallen in die Verantwortung der Eigentümer der Flächen, d.h. also in die von Kommunen und Landwirtschaft. Es ist nicht Aufgabe des MaP, aber wir halten es für wichtig, dass vermehrt Aufklärung und Förderung der Betroffenen erfolgt, damit dauerhaft eine Verbesserung erfolgen kann.

Dies alles, damit der Kaiserstuhl für alle so einzigartig bleibt wie er ist.

NABU Kaiserstuhl, Bachstr. 15, 79235 Vogtsburg www.nabu-kaiserstuhl.de
Insektensterben in Mitteleuropa

Insektensterben in Mitteleuropa

Ab 1750 hat man in Mitteleuropa mit der ganzjährigen Stallhaltung begonnen. Der anfallende Stallmist wurde für die Felder gebraucht. Wiesen blieben ungedüngt, wurden im Frühjahr mit Vieh bestoßen und im Sommer meist nur einmal gemäht, um Heu für den Winter zu gewinnen und von ganz armen Wiesen Einstreu für den Stall.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Düngung mit Chilesalpeter. Stallmist war immer noch sehr wichtig, aber die Dreifelderwirtschaft wurde aufgegeben. Brachen, die vielen Insekten einen Lebensraum boten, gab es nun kaum mehr. Erst als 1910 das Haber-Bosch-Verfahren zur künstlichen Gewinnung von Ammoniak entwickelt wurde, begann die Ära des Kunstdüngers. Stallmist wurde zunehmend bedeutungsloser, fiel aber immer noch in großen Mengen an. Nun konnte man es sich leisten, Stallmist in Form von Gülle auf die Wiesen zu verbringen.

Raupen vertragen keine Stickstoff-Überdüngung und überdüngte Wiesen verarmen biologisch extrem. Zudem können nur wenige stickstoffliebende Pflanzen auf überdüngten Wiesen überleben. Auf gedüngten Wiesen geht der Reichtum an Insekten also sehr stark zurück. Je stärker mit Gülle gedüngt wird, umso mehr verarmen diese.

Ebenfalls begann man ab der Mitte 19. Jahrhundert allmählich mit dem sogenannten „naturnahen Waldbau“, der alles ist, nur nicht naturnah. Vielmehr dient er möglichst hohem Ertrag der Forstwirtschaft. Die Bäume stehen nun so dicht, dass kaum mehr Licht auf den Boden kommt. Die meisten Waldschmetterlinge sind aber Lichtwaldarten oder auf Saumstrukturen im Wald (Waldmantel, Waldsaum) angewiesen. Im geschlossenen Hochwald können diese nicht mehr überleben. Vorher weidete das Vieh auch im Wald und durch Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung war der Wald sehr licht – und entsprechend artenreich. Solche Waldstrukturen gibt es heute kaum mehr wo, weil die Forstwirtschaft auf maximalen Ertrag ausgerichtet ist. Ebenfalls der Ertragsoptimierung sind Übergänge im Wald, also der Waldmantel, zum Opfer gefallen. Der Wald geht übergangslos bis zum Waldweg bzw. zum Waldrand. Damit haben die Waldmantelarten unter den Schmetterlingen auch keine Habitate mehr. Durch Stürme wie Wiebke und Lothar wurde der Wald gelichtet und für einige Jahre hatten die Waldschmetterlings-Arten wieder eine kurze Phase der Regenerierung. Aber die lichten Stellen wurden schnell wieder aufgeforstet, zumeist mit Fichten.

1892 wurde von Bayer mit Dinitro-o-kresol das erste Insektizid entwickelt, 1939 kam DDT dazu. Nach dem 2. Weltkrieg begann der Siegeszug der Insektizide. Mit Einführung der Neonicotinoide in den 1970er-, verstärkt in den 1990er-Jahren kamen Insekten noch viel stärker in Bedrängnis. Im intensivlandwirtschaftlich genutzten Terrain überleben in den letzten Jahren kaum mehr Schmetterlinge. Gerade die „Allerweltsarten“, die bis um die Jahrtausendwende noch recht häufig waren, gehen jetzt sehr stark zurück. Heute sind es vor allem eher seltene Arten, die in Schutzgebieten leben, die es noch etwas zahlreicher gibt, weil ihnen die Intensivlandwirtschaft nicht so sehr zusetzt.

Seit 2017 setzt zudem der Klimawandel den Insekten massiv zu. Das war der nächste und bislang letzte Tiefschlag. Unsere heimischen Arten sind nicht an mediterrane Dürreperioden angepasst. Einige wenige Arten, wie der Karstweißling, breiten sich nun aus Südeuropa zu uns aus, aber insgesamt geht der Individuenreichtum sehr stark zurück. Alleine in den Hochlagen der Alpen gibt es noch verbreitet einen Reichtum an Arten und Individuen. Ansonsten sterben viele Arten aus, andere gehen in der Individuendichte so stark zurück, dass man nur noch Einzelfalter sieht.

Gegen das Insektensterben helfen würde nur ein tiefgreifender Wandel in der Land- und Forstwirtschaft. Aber der ist ebenso wenig zu erwarten, wie dass die Menschheit entschlossen gegen den Klimawandel vorgeht. M. E. ist es daher nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach eins. Also für eine Rettung der Insekten bereits viel zu spät.

Hinzu kommt seit 1980 mit der Bundesartenschutzverordnung eine völlig verfehlte Naturschutzpolitik, die die weitere Erforschung der Insektenwelt stark einschränkt und vor allem Kinder und Jugendliche von der Natur fernhält. Daher sind Insektenforscher heute ebenso vom Aussterben bedroht, wie die Insekten. Hierzu ein Beispiel: Wenn ein Landwirt Mohrrüben anpflanzt, woran der gesetzlich geschützte Schwalbenschwanz Eier ablegt, dann darf er diese mit Insektiziden gegen den Raupenfraß schützen. Das nennt sich ordnungsgemäße Landwirtschaft.  Wenn er aber eine einzelne Raupe von den Mohrrüben pflückt und sie seiner Tochter, die Biologie-Lehrerin ist, gibt, damit diese sie in den Unterricht mitnimmt, dann machen sich beide strafbar. Denn das Töten der Raupe zum Zweck des Schutzes des Gemüses ist erlaubt. Das Einsammeln zu Unterrichtszwecken bedarf der amtlichen Genehmigung. Daher fällt es zunehmend weniger auf, wenn Insektenarten seltener werden und aussterben. Denn es mangelt zunehmend an Experten, die die einzelnen Arten unterscheiden können.

Verfasser: Jürgen Hensle, Mai 2020

Wiederbesiedlung der Krypta in Breisach mit Rauchschwalben

Wiederbesiedlung der Krypta des Münsters St. Stephan in Breisach durch die Rauchschwalbe (Hirundo rustica)

Summary:
Hurst, J.: recolonisation of the crypt in st. stephan´s cathedral in Breisach by Barn swallows (Hirundo rustica). – Naturschutz südl. oberrhein 9: 226-228. since at least 1992 until 2003, up to a maximum of 12 occupied nests, Barn swallows bred in the crypt of the cathedral in Breisach. the Barn swallows have gradually abandoned this breeding site when House Martins started colonizing the site. In 2004, there were 36 occupied House Martin nests. Following a renovation in 2006/2007 no swallows bred in the crypt for several years. only in 2018 a pair of Barn swallows bred successfully again at one of the former nesting sites.
Keywords: Hirundo rustica, Barn swallow, nesting site, crypt, cathedral, Breisach, southern upper rhine plain.

Einleitung
Bis vor wenigen Jahrzehnten brütete die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) außer in Viehställen und scheunen auch in überdachten Hauseinfahrten, unter Brücken (BoscHert 1996), in Garagen und an anderen Plätzen. In der Krypta des Breisacher Münsters brüteten früher einzelne Rauchschwalbenpaare. Nach und nach gesellten sich brütende Mehlschwalben (Delichon urbicum) hinzu und verdrängten die Rauchschwalben, bis diese als Brutvögel ganz aus der Krypta verschwanden. Wegen sanierungsarbeiten mussten auch die Mehlschwalbennester entfernt werden. Es dauerte Jahre, bis die Krypta von der Rauchschwalbe wieder als Brutplatz angenommen wurde.

Frühere Beobachtungen
Die Krypta ist eine inArkarden, durch fünf Bogentore nach außen geöffnete unterkirche, deren sterngewölbe auf einem inneren Mittelpfeiler ruht (www.ebfr.de) (Abb. 1). Im Jahre 1992 fielen mir acht Nester der Rauchschwalbe im Innern der Krypta auf. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Nester an. Zudem begannen Mehlschwalben ebenfalls, ihre Nester in der Krypta zu bauen. 1995 zogen beide schwalbenarten mit jeweils zwölf belegten Nestern gleich. In den darauf folgenden Jahren sank jedoch der Anteil der Rauchschwalben-Nester rapide. 1997 konnten noch sieben, 2000 noch 3 bis 4 belegte Nester ausgemacht werden. 2004 waren die Rauchschwalben ganz aus der Krypta verschwunden, während der Bestand der Mehlschwalbe auf 36 Brutpaare und Nester angestiegen war. ob der Bestandsrückgang mit dem seit den 1970er Jahren anhaltenden trend des Bestandrückgangs der Rauchschwalbe (HölZINGer 1999, GeDeoN et al. 2014, www.nabu.de) zu tun hatte oder ob die Rauchschwalben einfach nur von den Mehlschwalben verdrängt wurden, blieb unklar. Auf jeden Fall nahm der Brutbestand der Rauchschwalbe am nächst gelegenen Brutplatz, der tiefgarage des Hotels amMünster - heute Hotel stadt Breisach – leicht zu. Im Jahr 1997 fanden sich dort vier belegte Nester, im Jahr 2000 schon neun. leider wurden diese Nester schnell wieder beseitigt und alle potenziellen Nestplätze mit Drähten überspannt, um einen Nestbau zu verhindern. In den Jahren 2006/2007 stand eine sanierung der Krypta an. Dazu wurden alle verbliebenen Mehlschwalbennester in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde entfernt. Als Ausgleichsmaßnahme wurden an den Nachbargebäuden und an Mauern
Kunstnester fürMehlschwalben montiert, in der Hoffnung auf baldigenWiedereinzug der schwalben nach Beendigung der sanierungsarbeiten. Doch Krypta und Kunstnester blieben unbesetzt.


Aktuelle Feststellungen
erst ende Mai 2018 sah ich erstmals wieder ein Rauchschwalben-Paar in der Krypta. eine Kotansammlung unter einem der sterngewölbe erweckte den Verdacht auf einen Nestbau. Bei einer Kontrolle am 07.06.2018 fand ich tatsächlich einen brütenden Altvogel auf seinem Nest (Abb. 2). Bei einer weiteren Kontrolle am 27.06.2018 lugten drei Nestlinge über den Nestrand, die am 15.07.2018 ausgeflogen waren (Abb. 3). Bei der nächsten Kontrolle am 29.07.18 flog ein Altvogel vom Nest ab. es wurde also mit einer Zweitbrut begonnen. Von den vier Jungvögeln flog der letzte am 06.09.2018 aus.
Das Nest war im sterngewölbe auf einer steinplastik (Abb. 1, 2) gebaut, wie die Nester, die ich vor 26 Jahren dort erstmals fand. 15 Jahre nach den letzten Bruten hatten die Rauchschwalben den alten Neststandort
wieder neu besiedelt.

   

Diskussion
„In Deutschland sind Fälle kirchenbewohnender Rauchschwalben selten“ (Vietinghogg-Riesch 1955).Hölzinger (1999) kannte aus Baden-Württemberg kein Beispiel. Durch Aufgabe der Viehhaltung, die Modernisierung von Häusern und die Anlage moderner Wohngebiete wurden am südlichen oberrhein potenzielle Neststandorte der Rauchschwalbe selbst in kleinen Dörfern zunehmend selten.An einem traditionellen Brutort wie der Krypta des BreisacherMünsters sind daher die Nester zu erhalten und die Neuanlage von Nestern zu fördern.

Zusammenfassung
Mindestens seit dem Jahr 1992 bis 2003 brüteten Rauchschwalben in der Krypta des Breisacher Münsters, einer nach außen offenen unterkirche, mit maximal zwölf besetzten Nestern im Jahr 1995. Die Rauchschwalben gaben den Brutort allmählich auf, als sich Mehlschwalben ansiedelten, die im Jahr 2004 dort 36 besetzte Nester besaßen. Nach einer renovierung in den Jahren 2006/2007 blieb die Krypta jahrelang ohne brütende
schwalben. erst 2018 brütete wieder ein Rauchschwalbenpaar an einem der früheren Neststandorte erfolgreich.

Literatur
BoscHert,M. (1996): Bruten der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) unter Brücken – Naturschutz am südlichen oberrhein 1: 155-157.
GeDeoN, K., c. GrüNeBerG, A. MIttscHKe, c. suDFelDt, W. eIcKHorst, s. FIscHer, M. FlADe, s. FrIcK,
I. GeIersBerGer, B. KooP, M. KrAMer, t. KrüGer, N. rotH, t. ryslAVy, s. strüBING, s.r. suDMANN,
r. steFFeNs, F. VöKler & K. WItt (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding
Birds. – Münster (stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten).
HölZINGer, J. (1999): Die Vögel Baden-Württembergs. Band 3.1 singvögel 1. – stuttgart (ulmer).
VIetINGHoFF-rIescH, A. v. (1955): Die Rauchschwalbe. – Berlin (Duncker & Humblot).
Internet: www.ebfr.de www.nabu.de

Anschrift des Verfassers:
Jürgen Hurst, Goldengasse 9, D-79206 Breisach.

 

Presse 2020

14.07.2020 BZ Lebensräume für Schmetterlinge im Breisgau werden immer kleiner

Was wurde aus dem Admiral?

Von Gabriele Hennicke Di, 14. Juli 2020

 Die Lebensräume für Schmetterlinge werden immer kleiner – das beobachten Experten im Freiburger Umland.

Zitronenfalter, Schwalbenschwanz, Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs: Schmetterlinge, die früher in Massen vorkamen, sieht man heute meist nur als Einzelexemplare. Nicht nur die Zahl der Arten ist dramatisch zurückgegangen, sondern auch die der Individuen. Die BZ hat sich bei Experten im Freiburger Umland umgehört.

 

"In der Masse kann ich die Ergebnisse der Krefeld-Studie, die einen Rückgang der Biomasse von Insekten innerhalb von wenigen Jahrzehnten um 75 Prozent festgestellt hat, bestätigen. Mein Bauchgefühl hatte mir schon länger ähnliches gesagt", sagt Schmetterlingsexperte André Grabs aus Gundelfingen. Er beschäftigt sich schon seit seiner Kindheit mit Schmetterlingen, beobachtet sie seit drei Jahrzehnten und kartiert sie für die Landesdatenbank. "Eigene Beobachtungen sind immer subjektiv, für eine wissenschaftliche Beobachtung muss man einen bestimmten Bereich über Jahre überwachen und kartieren, um eine Aussage zu treffen, ob eine Art zu- oder abnimmt", erklärt er.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig

Die Zusammenhänge seien höchst komplex und unglaublich spannend. Klimaschwankungen, Parasitenbefall, die Entwicklung der Schmetterlingsfeinde wie Vögel und Wespen – sie alle haben Einfluss auf das Vorkommen der Schmetterlinge, sagt Grabs, der auch als Schmetterlingsguide Gruppen führt und Gemeinden bei der Anlage von Wiesenflächen berät.

Viele Schmetterlinge sind stark auf bestimmte Blätter spezifiziert, die Raupen der Tagpfauenaugen und Kleinen Füchse beispielsweise auf die Blätter der Brennnessel. "Die gibt es zwar überall in der Landschaft, vorwiegend aber an Waldrändern und in Schattenbereichen – und genau da nützen sie den Raupen nicht. Entscheidend ist der Standort der Pflanze und der muss ein sonniger sein, damit sich die Larve schnell entwickeln kann. Im Schatten werden keine Eier abgelegt", erläutert der Vorsitzende der BUND-Gruppe in Gundelfingen die Zusammenhänge.

Zu wenig Brennnesseln in der freien Flur


In der freien Flur allerdings gebe es kaum noch Ackerränder, an denen Brennnesseln wachsen könnten. "Die Kulturlandschaft hat Schmetterlinge als Beiwerk hervorgebracht, die industrielle Landwirtschaft die Insekten vertrieben. Ihre Lebensräume schwinden, das Mosaik der Wiesenflächen fehlt", lautet die Diagnose des Experten. Einzig in Naturschutzgebieten wie dem Zentralkaiserstuhl und der Trockenaue bei Grißheim gebe es noch eine Vielzahl an Arten, auch sehr seltene wie den Gelbringfalter und den Goldenen Scheckenfalter.

"Der Schwalbenschwanz war früher ein Massentier, heut sieht man allenfalls noch einzelne." Jürgen Hensle, Nabu Kaiserstuhl

Jürgen Hensle aus Eichstetten war neun Jahre lang Vorstand des Nabu Kaiserstuhl und beobachtet die Schmetterlinge im Zentralkaiserstuhl mit seinen Naturschutzgebieten rund um Badberg und Haselschacher Buck seit mehr als 40 Jahren. "Der Schwalbenschwanz war früher ein Massentier, heut sieht man allenfalls noch einzelne", sagt er. Nach seiner Beobachtung hat die Anzahl der Schmetterlinge im Zentralkaiserstuhl um 90 Prozent abgenommen, die Artenvielfalt ebenfalls sehr deutlich, aber nicht ganz so stark. Im Zentralkaiserstuhl gab es das letzte Vorkommen des Großen Waldportiers in Deutschland, 2018 sei er ausgestorben. Weil der Kaiserstuhl eine Insel in der Kulturwüste sei, kommen von außen keine Insekten rein, so Hensle. Ein Jahr mit Parasitenbefall oder schlechter Witterung könne da katastrophal sein.

Stickstoff und Dürre bereiten Probleme

Ein weiteres Problem sei der Stickstoffeintrag durch die Luft in die Böden der mageren Trockenrasen. Der führe dazu, dass sich standortfremde Pflanzen ansiedeln, die das Mikroklima verändern. "Seit 2017 setzt zudem der Klimawandel den Insekten massiv zu. Unsere heimischen Arten sind nicht an mediterrane Dürreperioden angepasst."

"Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach eins, also bereits viel zu spät für die Rettung der Insekten." Jürgen Hensle


Helfen würde nur ein tiefgreifender Wandel in der Land- und Forstwirtschaft, die schon seit mehr als 100 Jahren, verstärkt aber nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Insektizide setze. "Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Viertel nach eins, also bereits viel zu spät für die Rettung der Insekten", sagt der Experte wenig hoffnungsvoll.

Leonhard Siegwolf ist der Initiator des Naturlehrpfades Brunnengraben in Schallstadt-Mengen. Auch er beobachtet, dass es immer weniger Schmetterlinge gibt. Schwalbenschwanz und Admiral seien nur noch selten zu beobachten.


Der Lebensraum für die Tiere werde immer kleiner, mit jedem neuen Baugebiet verschwinden Wiesen und Bäume, beklagt Siegwolf. "Schlimm ist auch die Spritzerei in der Landwirtschaft." Er hält es daher für wichtig, bereits Kinder für die Vielfalt der Natur zu sensibilisieren. Das Projekt Brunnengraben sei ein Beispiel dafür. Jeder einzelne könne zudem in seinem Garten mit dem Setzen von Pflanzen, die Schmetterlinge anlocken, etwas für die Verbesserung von deren Lebensraum tun.

Schmetterlinge
Schmetterlinge bilden mit knapp 160.000 Arten nach den Käfern die artenreichste Insekten-Ordnung. Sie sind auf allen Kontinenten verbreitet. In Deutschland gibt es etwa 3700 Schmetterlingsarten.

Schmetterlinge durchlaufen während ihres Lebens einen besonderen Zyklus: Aus Eiern entwickeln sich flugunfähige Raupen, die dank intensiver Nahrungsaufnahme erheblich wachsen. Am Ende des Raupenstadiums bilden sie eine festere Hülle, die sogenannte Puppe. In den Puppen bilden sie Flügel aus und wandeln sich zur flugfähigen Form der Falter um.

Die erwachsenen Tiere nehmen mit ihrem Saugrüssel Nahrung auf, meist Blütennektar. Sie fliegen dazu eine Vielzahl verschiedener Blüten an und sind deswegen auch für deren Bestäubung wichtig. Einige Pflanzen mit tiefen Blütenkelchen können nur von Schmetterlingen bestäubt werden

 

30.06.2020 BZ Fleißige Helfer gegen die lästigen Fliegen

Fleißige Helfer gegen die lästigen Fliegen

Von BZ-Redaktion Di, 30. Juni 2020 Vogtsburg

Im Oberrotweiler Weingut Peter Wagner sind Rauchschwalben schon seit Jahren sehr willkommen / Auszeichnung vom NABU.


Andreas Galli (links) vom Naturschutzbund Kaiserstuhl hat Peter Wagner die Urkunde „Schwalbenfreundliches Haus“ verliehen. Foto: Barbara Mutke

 (bm). Das Weingut Peter Wagner in Oberrotweil ist vom Naturschutzbund (NABU) Kaiserstuhl mit der Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" ausgezeichnet worden.
Auf dem Weingut verbringen seit Jahrzehnten Rauchschwalben ihre Brutzeit in unseren Gefilden. Schwalben sind seit jeher beliebt. Sie gelten als Glücksboten und ihre Rückkehr kündigt den Sommer an. Seit langem leben sie als Kulturfolger bei den Menschen in der Stadt, am Haus und im Hof.
Viele Zugvögel werden getötet
Doch die Glücksbringer haben es dieser Tage bei uns nach Angaben des NABU nicht leicht. Als Zugvögel, die jedes Jahr tausende Kilometer zwischen Brutplatz und Winterquartier zurücklegen, fehlen ihnen zunehmend wichtige Rastgebiete unterwegs. Immer noch werden sie unterwegs illegal in Netzen und an Leimruten gefangen oder aber abgeschossen. Jedes Jahr kehren Millionen Zugvögel nicht in ihre heimischen Brutgebiete zurück.
Am Kaiserstuhl angekommen, ist es für die Tiere immer schwieriger, geeignete Nistmöglichkeiten, Material für ihren Nestbau oder Nahrung zu finden. Vielerorts sind sie zudem von Menschen nicht mehr erwünscht. Nester werden mutwillig zerstört oder die Schwalben beim Nisten behindert.

"Doch das ist illegal", heißt es in der Mitteilung des NABU. Laut Bundesnaturschutzgesetz seien die Nester der kleinen Flugkünstler geschützt und dürften weder beschädigt noch entfernt werden. Bei Haussanierungen seien Ersatznester anzubringen.
Aus diesen Gründen hat der NABU die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" ins Leben gerufen. Diejenigen Hausbesitzer erhalten eine Plakette, die Schwalben an ihren Häusern brüten lassen, dafür auch zusätzliche Nisthilfen aufhängen oder eine Lehmpfütze für die Tiere anlegen. Sie soll zudem Menschen ermutigen, mit Kunstnestern Schwalben bei sich aufzunehmen.
Sechs Nester haben Rauchschwalben bei Familie Wagner im Hof ihres Weingutes in Oberrotweil schon vor vielen Jahren aus Lehm gebaut. Gerade Rauchschwalben sind vom Rückgang ihrer Art stark betroffen. Sie nisten vor allem in Ställen und Höfen. Ihnen hilft es, einen Zugang offenzuhalten und den regen Flugverkehr zur Brutzeit zu dulden. Gibt es noch Tiere im Stall, wie bei Familie Wagner, so ist für Nahrung gesorgt und die Fliegenplage in Schranken gehalten. Peter Wagner geht es beim Schutz der Schwalben zudem um die Erhaltung der Biodiversität.
Er beobachtet den Artenrückgang in seiner Umwelt mit Sorge und versucht auch aus diesem Grund, mit einer biodynamischen Wirtschaftsweise im Weinberg die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Dazu gehören zahlreiche Wildkräuter, Insekten und eine an Bodenleben reiche Erde in seinen Weinbergen. Die Vögel gehören für ihn zum Biotop dazu. Gerne gibt er seine Kenntnisse weiter und führt Interessierte durch seinen Weinberg.
Als Anerkennung für seine Bereitschaft, die bedrohten Vögel willkommen zu heißen und zu unterstützen, verlieh Andreas Galli vom NABU Kaiserstuhl der Familie Peter Wagner die Plakette und Urkunde "Schwalbenfreundliches Haus".
Informieren und bewerben können sich Schwalbenfreunde dafür unter http://www.NABU.de/schwalben oder beim NABU Kaiserstuhl, bei dem es auch Schwalbennester zu erwerben gibt.
Ressort: Vogtsburg Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Di, 30. Juni 2020:
19.06.2020 Eichstetter NB Schwalbenfreundliches Häuser

Freitag, den 19. Juni 2020 Eichstetter Nachrichtenblatt

NABU Kaiserstuhl

Gleich 2 Häuser in einer Straße in Eichstetten wurden vom NABU Kaiserstuhl mit der Plakette Schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet! Sowohl bei Elsbeth und Manfred Breisacher als auch bei Gustav Enderlin sind Mehlschwalben in ihrer Hofeinfahrt willkommen. Schwalben sind seit jeher beliebt. Sie gelten als Glücksboten, und ihre Rückkehr kündigt den Sommer an. Seit langem leben sie als Kulturfolger bei den Menschen in der Stadt, am Haus und im Hof. Doch die Glücksbringer haben es dieser Tage bei uns nicht leicht. Als Zugvögel, die jedes Jahr tausende Kilometer zwischen Brutplatz und Winterquartier zurücklegen, fehlen ihnen zunehmend wichtige Rastgebiete unterwegs. Immer noch werden sie unterwegs illegal in Netzen und an Leimruten gefangen, oder aber abgeschossen. Jedes Jahr kehren Millionen Zugvögel nicht in ihre heimischen Brutgebiete zurück. Bei uns angekommen, ist es für die Tiere immer schwieriger, geeignete Nistmöglichkeiten, Material für ihren Nestbau oder Nahrung zu finden. Vielerorts sind sie zudem von Menschen nicht mehr erwünscht. Nester werden mutwillig zerstört oder die Schwalben beim Nisten behindert. Doch auch das ist illegal. Laut Bundesnaturschutzgesetz sind die Nester der kleinen Flugkünstler geschützt und dürfen weder beschädigt noch entfernt wer-den. Bei Haussanierungen sind Ersatznester anzubringen. Aus diesen Gründen hat der NABU die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ ins Leben gerufen: Diejenigen Hausbesitzer/-innen er-halten eine Plakette, die Schwalben an ihren Häusern brüten lassen, dafür auch zusätzliche Nisthilfen aufhängen oder eine Lehmpfütze für die Tiere anlegen. Sie soll zudem Menschen ermutigen, mit Kunstnestern Schwalben bei sich aufzunehmen. In der Hofeinfahrt von Elsbeth und Manfred Breisacher hatte im vergangenen Jahr ein Mehlschwalbenpaar an einem T-Träger ein Nest gebaut und auch gebrütet. Dieses Jahr versuchten es dort weitere Schwalben, aber das Nestmaterial fiel immer wieder ab. Bei Engelbert Mayer vom NABU Kaiserstuhl holten sie sich Rat und bekamen auch gleich zwei Doppelnester für Mehlschwalben aus dem Fundus der Ortsgruppe. Zwei Tage nach der Anbringung der Nester in der Hofeinfahrt waren alle vier belegt, dazu zwei weitere natürliche Nester. Nun herrscht Trubel in der Einfahrt, Jubel bei den Naturschutzmachern! Sorgen macht sich Manfred Breisacher um das Nestmaterial. Er beobachtete, dass die Mehlschwalben mit künstlichem, flies ähnlichem Material versuchen, weitere Nester zu bauen, was nicht funktioniert. Nun will er eine Lehmpfütze im Garten anlegen. Dort könnten sich die Vögel den nötigen Lehm für einen erfolgreichen Nestbau besorgen.

Einige Häuser weiter geht es in der Hofeinfahrt bei Gustav Enderlin ebenso lebhaft her. Sechs Mehlschwalbennester sind belegt, und die Jungen schlüpfen gerade. Ein benachbartes Kunstnest für Rauchschwalben wurde geschickt mit Lehmkügelchen zu einem weiteren Mehlschwalbennest umgebaut. Einerseits ist die Fähigkeit dieser Vögel, sich Nestmöglichkeiten zu verschaffen, erstaunlich und bewundernswert, andererseits bezeugt es das Fehlen geeigneter Plätze für unsere Schwalben. Deshalb will Gustav Enderlin noch zwei weitere Doppel-Kunstnester anbringen. Engelbert Mayer und Barbara Mutke würdigten gerne die Naturschutzmacher in Eichstetten, das Ehepaar Breisacher und Herr Enderlin, mit einer Urkunde und Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“.
Barbara Mutke NABU Kaiserstuhl 13. Juni 2020
30.05.2020 Echo Maikäfer mögen ́s warm

Maikäfer mögen ́s warm

Wichtige Rolle im Ökosystem / Größte Schäden immer im Jahr nach dem Maikäferflug

Der Maikäfer ist als früher Sommerbote und in unserer Gesellschaft bekannt. Alle vier Jahre sind Maikäferjahre und zusätzlich kommt es etwa alle 30 Jahre zu Massenplagen. Das ist ein Rhythmus, der wohl im Zusammenhang mit dem Auftreten von Krankheiten und Parasiten steht, welche die Käfer befallen. Schon Wilhelm Busch machte in einen Reim auf den beliebten Käfer aufmerksam und jetzt im Mai ist die Hauptflugzeit der Tiere. Einige ältere Menschen erinnern sich noch gut daran, wie sie als Kinder Maikäfer auf den Feldern sammelten und vielleicht auch dar-an, dass es mit der großen Zahl von Maikäfern irgendwann vor-bei war. „Es gibt keine Maikäfer mehr“ sang 1974 Liedermacher Reinhard Mey. Tatsächlich ist bis in die 1980er Jahre die Populationen der Maikäfer stark zurückgegangen. Das wurde damals vor allem mit der wachsen-den Umweltverschmutzung in Verbindung gebracht, auch der Einsatz von Insektiziden wie DDT hat dabei wohl eine Rolle gespielt.
Die vollausgebildeten Käfer verharren im Boden und warten auf warme und sonnige Tage. Ende April Mai bis Mitte Juni fliegen sie aus. Wann die erwachsenen Käfer aus dem Boden kommen, hängt davon ab, ab wann es im Frühjahr warm wird. Maikäfer können bei ihrem Reife-Fraß vor der Paarung am Waldrand Laubbäume wie Buchen oder Eichen schon einmal kurzzeitig kahl fressen. Die Bäume er-holen sich wieder und bilden mit dem Johannistrieb im Juni noch einmal neue Blätter. Doch der Maikäfer ist eigentlich kein guter Flieger, er fliegt lediglich bis zu nahe gelegenen Bäumen. Maikäfer sind Weltmeister in Sachen effektiver Familienplanung. Hochzeitsflug, Begattung, Reife-Fraß (rund 10 Tage) und Eiablage erledigt die Elterngeneration in nur wenigen Tagen. Nur in diesen Tagen haben Forst- und Landwirte die Chance, zukünftigen Maikäferplagen entgegenzuwirken. Gemeinsam mit den Käfern starten deshalb mitunter auch die Hubschrauber, wenn die Genehmigung dazu erteilt wird. Ein versprühtes Insektizid führt in der Regel nicht zum Tod der Käfer, aber ihre Fresslust nimmt rapide ab, sie werden träge. Das Maikäferweibchen entwickelt weniger Eier. Das heißt, es schlüpfen weniger Engerlinge und damit auch weniger Käfer in der Folgegeneration. Befruchtete Weibchen kehren zur Eiablage möglichst an die Stelle ihres Ausschlüpfens zu-rück. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier schubweise mit etwas Kot in die Erde. Der Kot liefert den geschlüpften Larven Bakterien zur Verdauung von Wurzeln, ihrer Nahrungsgrundlage. Und das war es dann schon mit dem kurzen Käferleben, die Männchen sterben nach der Begattung, die Weibchen nach der Eiablage. Die Larven, die Engerlinge, durchlaufen mehrere Stadien in ihrem Lebenszyklus, bis sie drei oder vier Jahre später, wie-der als Maikäfer für ihren Flug aus dem Boden kriechen. In der Natur hat sich das so eingependelt, dass an den meisten Orten nur alle drei bis vier Jahre ein sogenanntes Hauptflugjahr ist, in dem man im Frühjahr viele Maikäfer bei ihrem Flug zur Paarung beobachten kann. Es gibt jedoch Orte, an denen sich über die Jahrzehnte aufgrund von Wetterkapriolen mehrere zeitversetze Generationen entwickelt haben und quasi jedes Jahr ein Maikäferflug zu beobachten ist. Als Schädlinge spielen die Engerlinge, die Larven der Maikäfer, mit ihrem verheerenden Wurzel-Fraß die größere Rolle. Der Kahlschlag findet unter der Erde statt. Besonderen Heiß-hunger entwickeln die Engerlinge im zweiten und dritten Entwicklungsjahr bis zu ihrer Verpuppung. Sie kennen nur wenige natürliche Fressfeinde, mit Insektiziden ist ihnen eben-falls nicht beizukommen.
Gebietsweise versucht man, wie in Vogtsburg, die Entwicklung der Engerlinge durch die biologische Methode unter Einsatz des Beauveria-Pilzes zu stoppen. Ob sich die Engerlingszahlen jedoch mit dieser biologischen Methode weit genug senken lassen, um Baumschulen oder Junganlagen ausreichend zu schützen, wird gegensätzlich diskutiert. Schon in der Vergangenheit stand weniger die Faszination der gemütlichen Brummer im Vordergrund, als deren Bekämpfung. Die Methoden zeugten dabei oft von der Verzweiflung gegenüber dem Milliardenheer der Käfer. Im Jahr 1320 etwa befahl man den Maikäfern in Avignon per Gerichtsbeschluss, dass sie sich „binnen drei Tagen auf ein ihnen durch Tafeln bezeichnetes Feld zurückzuziehen hätten, woselbst Nahrung für sie vorhanden sei, und dass die Zuwiderhandelnden als vogelfrei behandelt und ausgerottet werden sollten.“Im Herbst ihres Geburtsjahres ziehen sie sich die Larven zum Überwintern in tiefere Erdschichten zurück. Wenn sie dann im darauffolgenden Frühjahr wieder in höhere Erd-schichten kommen, sind sie ganz besonders gefräßig und beginnen, sobald es wärmer wird, das Wurzelwerk im Bo-den abzufressen. Wegen dieses besonders gefräßigen zweiten Jahres ist immer das Jahr nach einem Maikäfer-Hauptflugjahr das mit den größten Schäden. Die Engerlinge ernähren sich vornehmlich von Wurzeln junger Bäume, gerne auch in den Baumschulen des Obst- und Zierpflanzenbaus. Rund um den Kaiserstuhl fressen sie auch ger-ne am Wurzelwerk empfindlicher Jungreben. Die Engerlinge machen aber auch vor Gemüse, Erdbeeren und Kartoffeln nicht halt. Der Kahlschlag findet also unter der Erde statt. Besonderen Heißhunger entwickeln die Engerlinge im zweiten und dritten Entwicklungsjahr bis zu ihrer Verpuppung. Sie kennen nur wenige natürliche Fressfeinde, mit Insektiziden ist ihnen eben-falls nicht beizukommen. Neben diesen lokal auftreten-den Schäden, die betroffenen Landwirten Sorgen bereiten, gibt es aber auch Gründe, sich über eine Erholung bei den Maikäferpopulationen zu freu-en. Es gibt eine wichtige Rolle von Maikäfern und anderen Großinsekten, denn sowohl die Engerlinge als auch die ausgewachsenen Käfer sind wichtig als Fressen für Tierarten. Für Vögel, Fledermäuse, Maulwürfe, Igel oder Spitzmäuse. Wäre die Nahrungskette noch vollständig intakt, würde sich auch die Fra-ge der Schädlingsbekämpfung nicht unbedingt stellen. Andreas Galli, Vorstand des NABU Kaiserstuhl, betont „Es gibt kein Maikäferspezifisches Gift, wenn gespritzt wird, gibt es einen stillen Frühling. Das für die Maikäferbekämpfung eingesetzte Neem Azal ist ein Fraßgift das unspezifisch tötet, d.h. es trifft alle Insekten, kurz, wer frisst ist tot. Dazu kommt, dass dabei die Maikäferbekämpfung am Waldrand stattfindet und damit weitab der Flächen die man vor den Maikäfern schützen will. Dieser Aspekt wird unserer Meinung nach in der Abwägung zu wenig berücksichtigt. Spritzen ist nicht das Nonplusultra und schon gar kein Rundumsorglos-Paket. Es gibt dazu keine pauschalen Genehmigungen. 2015 war das letzte Hubschrauberbekämpfungsjahr am sensiblen Waldrand. Andere Bekämpfungs- und Vermeidungsmethoden wie Beauveriapilz oder Ablenkungsfütterung werden zu wenig ein-gesetzt und müssen stärker er-forscht werden. Gerade für den Beauveria-Pilz ist es oftmals zu trocken am Kaiserstuhl und da-mit ist dieser nur bedingt einsetzbar. Der Dreijahreszyklus des Maikäfers ist derzeit nicht mehr feststellbar. Glücklicher-weise ist in den letzten Jahren die Anzahl der Engerlinge so-weit zurück gegangen, dass eine gewisse Entspannung eingekehrt ist. Wir hoffen, dass trotz-dem weiter daran gearbeitet wird, dass endlich andere Methoden des Umgangs mit dem Maikäfer gefunden werden. Denn letztendlich betrifft es die ganze Gesellschaft, wie wir mit unserer Umwelt - genauer Mitwelt umgehen. Wir alle leben, direkt oder indirekt von und mit der Natur“. ek
29.02.2020 BZ Den Vögeln und Rehen auf der Spur

Den Vögeln und Rehen auf der Spur

Von Horst David Sa, 29. Februar 2020 Bötzingen


Der Naturschutzbund Kaiserstuhl veranstaltet Aktionen mit Kindern in Eichstetten und Bötzingen / Nistkästenkontrolle .

Mira Steck und Andreas Galli zeigen einem Kind eine Niströhre. Foto: Horst David

BÖTZINGEN/EICHSTETTEN. Die Kindergruppe des Naturschutzbunds (Nabu) Kaiserstuhl ist seit Januar wieder aktiv. Immer samstags geht es mit den Jugendbetreuerinnen Mira Steck und Lena Strauß hinaus in die Natur. Oft ist auch Andreas Galli dabei, Vorsitzender des Nabu-Kaiserstuhl. Für alle drei ist es wichtig, Kinder an die Natur heranzuführen.


Der Nabu-Kaiserstuhl sei "so froh, Veranstaltungen für Kinder anbieten zu können", erklärt Galli. Wissen über die Natur sei heute nicht mehr selbstverständlich, aber wichtiger denn je, bekräftigt Mira Steck aus Denzlingen. Im Februar säuberten und prüften Steck und Galli die Nistkästen bei der Streuobstwiese im Etlisbachtal in Bötzingen. Sie öffneten die überall aufgehängten Nistkästen. War viel Moos drin, so war es ein Brutplatz für die Kohl- oder Blaumeise. Mit viel weniger Moos dagegen ausgepolstert sind die Nistkästen von Wendehälsen. Die besonders breiten Steinkauz-Nistkästen sind innen so angeordnet, dass kein Marder herein kommt, sondern nur der Steinkauz. Außerdem werden sie auf dicken Ästen angebracht, damit junge Steinkäuze, falls sie herausfallen, wieder sicher zum Brutplatz auf dem Baum hochklettern können.

Auch zwei Wiedehopfhäuser gibt es auf der Streuobstwiese. Sie sind als Brutstätten für den Wiedehopf nötig, weil es weniger Rebhäusle im Kaiserstuhl gibt. In einigen Nistkasten fanden sich auch alte Vogeleier, die nicht ausgebrütet wurden.

Ein weiteres Nabu-Thema für Kinder war der Lebensraum der Rehe im Eichstetter Wald. Bei einem Waldspaziergang erklärten Mira Steck und Lena Strauß den zwölf Kindern das Leben der Rehe. Die nehmen mit ihrem ausgeprägten Hör- und Geruchssinn ihre Umgebung wahr und bemerken sehr früh nahende Feinde. Besonders im Winter sei es besonders wichtig, die scheuen Tiere nicht zu erschrecken, wurde den Kindern erklärt. Wenn Tiere weglaufen, kostet das ihre Energiereserven.

Die Kinder lernten auch die Unterschiede zwischen Hirsch und Reh kennen. Der leichte Körper des flinken Rehs und das kleine Geweih des Rehbocks seien perfekt an das Leben im Wald angepasst. Größter Feind sei der Mensch, erfuhren die Kinder: Im tiefen Gras liegend sei ein Rehkitz Mähern schutzlos ausgeliefert. Rehe ernähren sich oft von der Rinde junger Bäume und würden daher von Jägern für einen gesunden Wald erlegt. Es sei wichtig, die Jagdzeiten einzuhalten, um die Rehbrutzeit und auch andere Tiere nicht zu stören.

Ressort: Bötzingen

  • Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Sa, 29. Februar 2020
10.01.2020 BZ Eine neue Heimat für die gefiederten Glücksboten

20200110_BZ_Eine_neue_Heimat_fuer_die_gefiederten_Gluecksboten

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