Projekt Schweizer Vogelwarte

Verantwortungsvolles Beobachten und Fotografieren der Vögel

Von der schweizer Vogelwarte geliehen

Verantwortungsvolles Beobachten und Fotografieren der Vögel

Vögel zu beobachten ist faszinierend, und sie zu fotografieren wird zu einer immer weiter verbreiteten Freizeitbeschäftigung. Je mehr Leute in der Natur unterwegs sind, desto wichtiger ist es, dass sich alle an klare Regeln halten und sich beim Beobachten und Fotografieren der Vögel äusserst verantwortungsvoll verhalten. Das Wohl der Vögel und die Erhaltung der Natur kommen immer an erster Stelle.

Mit den heutigen Hilfsmitteln lassen sich Vögel auch aus der Distanz leicht beobachten. Viele Einrichtungen sind zudem speziell für ein störungsfreies Beobachten und Fotografieren vorbereitet. Mit der Beachtung der folgenden Verhaltensregeln gelingt es, Rücksicht auf die Vögel zu nehmen und die Anliegen des Vogel- und Naturschutzes zu unterstützen.

Wir bitten Sie, sich nach Möglichkeit auf allen Ebenen für den Schutz der Vögel, der Biodiversität, der Natur und der Umwelt einzusetzen: als Naturbeobachtende, als Erholungssuchende und als Konsumierende sowie als Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Herzlichen Dank für Ihre Rücksichtnahme gegenüber der Natur und den Vögeln!

Verhaltenskodex

  • Beim Beobachten und Fotografieren von Vögeln haben deren Schutz wie auch der Schutz der Lebensräume mit den darin lebenden Tier- und Pflanzenarten absoluten Vorrang.
  • Es ist selbstverständlich, dass alle Naturschutzvorschriften genau eingehalten und vor allem Betret- und Fahrverbote strikt beachtet werden.
  • Bleiben Sie auf den Wegen und respektieren Sie die Rechte der Grundbesitzerinnen und -besitzer sowie der Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter.
  • Vögel sollen nicht gestört werden. Halten Sie genügend grosse Distanz ein und beachten Sie, dass Vögel oft bereits lange, bevor sie auffliegen, in ihrem Verhalten, bei der Nahrungssuche oder der Brut gestört sind.
  • Vögel am Nest oder in dessen Nähe sind besonders anfällig für Störungen und reagieren manchmal gar mit der Aufgabe ihrer Brut. Es ist deshalb wichtig, dass brütende und fütternde Vögel am Nest nicht gestört werden. Wenn Vögel Warnrufe von sich geben oder aufgeregt sind, befinden Sie sich wahrscheinlich zu nahe bei einem Nest oder bei Jungvögeln. Von Vogelfotografie am Nest wird ausdrücklich abgeraten.
  • Stören Sie die Vögel nicht, indem sie Rufe und Vogelgesang nachmachen oder abspielen. Das Vorgaukeln eines starken Konkurrenten oder einer Gefahrenquelle führt bei Vögeln insbesondere während der Brutzeit zu unnötigem Stress. Vermeiden Sie auch Lärm.
  • Besonders gravierend sind Störungen im Winter, wenn die Vögel haushälterisch mit ihren Energiereserven umgehen müssen. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass Vögel zum kräftezehrenden Auffliegen gezwungen oder von der Nahrungssuche abgehalten werden.
  • In vielen Schutzgebieten gibt es öffentliche Hides, aus denen Sie Vögel ohne zu stören in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten und fotografieren können.
  • Verzichten Sie beim Fotografieren auf Blitzlicht, um Vögel nicht zu beeinträchtigen.
  • Seien Sie anderen mit Ihrem verantwortungsvollen Verhalten ein Vorbild. Weisen Sie andere Personen höflich auf ein allfälliges Fehlverhalten hin.
  • Verhalten Sie sich auf Reisen und in den Ferien gegenüber den Vögeln und der Natur genauso respektvoll wie zu Hause.

Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

© Schweizerische Vogelwarte & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich 2018
Autoren: M. Schaad & W. Müller

Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

 MERKBLATT

Verantwortungsvolles Beobachten und Fotografieren der Vögel

12.08.2021 Spezialfolie schützt Vögel vor Aufprall auf Scheiben

Spezialfolie schützt Vögel vor Aufprall auf Scheiben

Von Mario Schöneberg Do, 12. August 2021 Eichstetten

Glasfront am Eichstetter Bahnhofspavillon wird umgestaltet.

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Mit neuen, von einer Fachfirma aufgebrachten Punkten soll der Vogelprall am Eichstetter Glaspavillon am Bahnhof verhindert werden. Über Aktion freuen sich Angela Stenger, Nabu-Naturschutzwart Engelbert Mayer und Liegenschaftsverwalterin Giuliana Ivancic von der Gemeinde Eichstetten (rechts). Foto: Mario Schöneberg

Millionen von Vögeln prallen jedes Jahr in Deutschland gegen Glasscheiben, viele verletzen sich dabei schwer oder verenden. Tote Vögel gibt es auch immer wieder am Glaspavillon am Eichstetter Bahnhof. Nun soll in einem Monitoring untersucht werden, ob von einer Schweizer Firma neu entwickelte Folienelemente Abhilfe schaffen können.

"Im vergangenen Jahr hat es hier am Glas-Pavillon am Bahnhof sogar einen Bienenfresser erwischt, berichtet Nabu- Naturschutzwart Engelbert Mayer. Über die Jahre seien ihm immer wieder verletzte oder verendete Vögel gemeldet worden. Wie viele dabei gegen den Pavillon selber fliegen, kann Mayer aber nicht genau sagen, er schätzt aber, dass es monatlich Kollisionen gibt. "Oft ist die Katze schneller und holt das verletzte Tier, ein andermal fliegt der Vogel weg und stirbt dann woanders an seinen inneren Verletzungen". Um hier Abhilfe zu schaffen, habe er sich erkundigt, was man zum Schutz der Vögel tun könne und sei auf die Schweizer Vogelwarte in Sempach gestoßen. Dort empfehle man eine neu entwickelte Folie der Firma "Seen-Elements", durch die in gleichmäßigem Abstand Punkte auf die Fensterscheiben aufgebracht werden. Das Material für den nun am Pavillon aufgebrachten Vogelschutz habe dabei die Vogelwarte aus Sempach zur Verfügung gestellt, die Gemeinde habe eine Fachfirma für Werbetechnik mit der Aufbringung beauftragt. Der Nabu selbst möchte nun ein halbes Jahr lang im Rahmen eines Monitorings die Wirksamkeit des neuen Vogelschutzes testen.

Glas als Baustoff der modernen Architektur gewinne immer mehr an Bedeutung, sagt Angela Stenger, die für die Vermarktung der neuen Folien zuständig ist. Doch für Vögel seien diese Glasflächen oft eine tödliche Falle, bis zu 100 Millionen von ihnen kämen so allein in Deutschland laut Nabu- Schätzung jährlich zu Tode. Für Vögel erscheine eine Glasfläche nicht als Hindernis, vielmehr würden ihnen durch Reflexionen Bäume oder der Himmel vorgetäuscht. Auch stilisierte Greifvögel-Aufkleber würden kaum Abhilfe schaffen, um bisher wirksam die Vögel schützen zu können, müssten bis zu 25 Prozent der Glasfläche überklebt werden.


Von der Schweizer Firma sei nun ein System aus neun Millimeter großen Punkten, die im Abstand von neun Zentimetern auch auf schon bestehende Glasflächen aufgebracht werden könnten, entwickelt worden, informierte Angela Stenger. Dadurch würde der Lichteinfall für das menschliche Auge nur minimal um ein bis zwei Prozent reduziert, Tests im Vogelflugkanal der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf in Österreich hätten aber ergeben, dass mehr als 90 Prozent der Tiere sie als Hindernis erkannt hätten. Engelbert Mayer hofft nun, dass das Pilotprojekt in Eichstetten, das erste in Südbaden, auch viele private Haushalte und Unternehmer anspornt, auf diesem Weg etwas für den Schutz der Vögel zu tun. Dies sei insbesondere dort notwendig, wo sich Bäume und Sträucher in den Scheiben spiegeln oder die Gebäude freistehend ein Flughindernis darstellen.

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der BZ vom Do, 12. August 2021

Punkte auf den Scheiben des Bahnhofs-Pavillon in Eichstetten

Punkte auf den Scheiben des Bahnhofs-Pavillon in Eichstetten

 

Viele haben sich schon über das etwas andere Aussehen der Scheiben des Pavillons am Bahnhof in Eichstetten gewundert. Es hat einen einfachen und auch einen etwas traurigen Grund.

100 Millionen Vögel sterben jährlich in Deutschland an Fensterscheiben durch Vogelschlag.

 Auch an die großen Scheiben am Pavillon flogen immer mal wieder Vögel und verletzten sich meist tödlich. Am 18. Juli 2020 wurde dort sogar ein Bienenfresser gefunden, der an die Scheiben geflogen war und dabei starb.

toter Bienefresser

Jeder kann es selbst mal ausprobieren, sich in den Scheiben - trotz zugezogenen Vorhängen – zu betrachten. Alles spiegelt sich darin, Bäume. Sträucher, Häuser und der Horizont. Da ist es nicht verwunderlich, dass Vögel die Scheiben nicht erkennen können. Zumal rund um den Pavillon Gärten sind, in denen es auch Nahrung für Insekten und Vögel gibt.

Ostseite vorher

Bürgermeister Michael Bruder – Die Gemeinde Eichstetten ist auch NABU-Mitglied - und ich waren uns einig, dass man unbedingt etwas tun muss, um künftig Vogelschlag zu vermeiden, mindestens aber zu vermindern. Die Glasscheiben am Pavillon haben insgesamt eine Fläche von 100 Quadratmeter.

Ich habe mich bereit erklärt das Problem anzugehen und daraufhin im Internet recherchiert, welche Möglichkeiten es gibt.  Dabei bin ich auf die Schweizer Vogelwarte in Sempach gestoßen. Aufgeklebte Greifvogelsilhouetten oder ähnliches haben keinerlei Wirkung gegen Vogelschlag. Dr. Hans Schmid von der Schweizer Vogelwarte wies mich auf eine neue Möglichkeit hin:

Die Firma SEEN-Elements aus der Schweiz hat eine spezielle Folie entwickelt, mit deren Hilfe Punkte außen an den Scheiben angebracht werden. Die Punkte haben einen Durchmesser von 9 mm, auf der Rückseite sind sie schwarz, auf der Vorderseite silbern. 

Bei Versuchen in einem Windkanal der biologischen Station Hohenau in Österreich mit beklebten und nicht beklebten Scheiben wurde festgestellt, dass die mit den Punkten beklebten Scheiben von Vögeln als hoch wirksam taxiert werden konnten.  

Die Schweizer Vogelwarte hat sich bereit erklärt, die Kosten für die Folien in Höhe von ca. 2.000 sfr zu übernehmen, wenn ein 6-monatiges Monitoring durchgeführt wird. Dazu habe ich mich gerne bereit erklärt. 

Nach einer Reinigung der Scheiben wurden dann am 04. August 2021 von einer Spezial-Firma die Punkte mittels der Folie angebracht.

Beklebung 1Beklebung 2

Und so präsentieren sich nun die großen Glasscheiben des Pavillons als wäre nur etwas Kleines gemacht worden, das aber wohl eine große Wirkung zeigen wird. Bis Anfang Januar 2022 konnte kein Vogelprall mehr festgestellt werden. Hoffen wir doch alle, dass es so bleiben wird.

Beklebte Ostseite

Aufgestellt:

Engelbert Mayer für NABU Kaiserstuhl

Flyer des Herstellers

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Bachstr. 15
79235 Vogtsburg
Telefon: +49 (7662) 8206
E-Mail: A.Galli(at)Nabu-Kaiserstuhl.de

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