Wasserturm

  
Vorgeschichte

 1926 wurde dieser Wasserturm erbaut. Seine Funktion war, Wasser aus einem verbliebenen Restarm der vorbeifließenden Dreisam in den angestauten Dorfbach zu pumpen, um Wiesenflächen zu bewässern. Dies war nach der Begradigung der alten Dreisam notwendig geworden. 

In den 70er Jahren, während der großen Flurbereinigungen am Kaiserstuhl, wurden Ackerflächen im Kaiserstuhl-Massiv in Rebflächen umgewandelt. Für den in Eichstetten traditionellen Gemüsebau fehlte dadurch benötigtes Ackerland. Die Folge war, dass Wiesenflächen in der Ebene umgebrochen wurden, eine Bewässerung entfiel. Seit dieser Zeit hat der Wasserturm keine Funktion mehr zu erfüllen.    

Vor einigen Jahren öffneten wir im Turm ein vorhandenes kleines Glasfenster, er wurde sogleich von der Schleiereule Tyto alba als Tageseinstand angenommen.
 

Im Lauf der Jahre haben an der Außenfassade verschiedene Wildbienenarten, wie Mauerbiene Osmia rufa und Mörtelwespe Ancistrocerus oviventris, ihre Lehm-Nester angebaut. Inzwischen sind es über 20 davon, die immer wieder von neuem besiedelt werden. 

Von der Gemeinde Eichstetten wurde der NABU Gruppe Kaiserstuhl, dieser Wasserturm zur Verfügung gestellt, um ihn für die dort vorkommende Tierwelt zu nutzen.

Unsere Nutzungsvorstellungen bestanden aus Artenschutz und Öffentlichkeitsarbeit.

 Artenschutz: 

Für die im Turm befindlichen Schleiereulen fertigten wir 2 Nistkästen, die im Innenbereich an den Fenster-Öffnungen angebracht wurden. Ein ungestörtes Brüten, wie auch ein sicherer Tageseinstand, ist dadurch gegeben. 

Durch Anbringen von Dachziegeln mit Einflug-Öffnungen kann der Turmhelm jetzt auch ungefährdet von Fledermäusen bezogen werden. Sie wären in einem gemeinsamen Quartier eine willkommene Beute der Schleiereulen. An der Fassade wurden Fledermaus-Flachkästen angebracht. Erfahrungen haben gezeigt, dass auch so genannte Brückenquartiere sehr willkommen sind. Da sich an der Brücke seit der Renovierung keine Mauerspalten und Ritzen mehr befinden, haben wir an der Brücke mehrere Fledermaus-Großquartiere angebracht.

 In der Dämmerung kann die Jagd Fledermäuse nach Insekten beobachtet werden. 

An mehreren Seiten der Fassade des 6-eckigen Turmes haben wir Nistkästen für den Mauersegler Apus apus angebracht. Dieser gefährdete Vogel aus der Familie der Segler wurde übrigens vom NABU zum „Vogel des Jahres“ 2003 gekürt. In Eichstetten gibt es derzeit außerdem nur noch 2 Brutplätze dieser pfeilschnellen Vögel.

 Unter der Bogen-Brücke befestigten wir 2 selbst gebaute Nisthilfen für die hier brütende Gebirgsstelze Motacilla cinerea. In seltenen Fällen kann man sogar mal die Wasseramsel Cinclus cinclus beobachten.

 Für den ebenfalls dort vorkommenden „Edelstein der Lüfte“, den Eisvogel Alcedo atthis, stellten wir am gegenüberliegenden Ufer eine Eisvogelwand mit 2 künstlichen Brutröhren her.

 Öffentlichkeitsarbeit:

 Den linken Innen-Raum des Turmes haben wir so hergerichtet, dass er auch von Rollstuhlfahrern befahren werden kann. Er ist jeweils von April bis Oktober der Öffentlichkeit zugänglich. Auf selbst gestalteten Schautafeln erfahren Besucher alles Wissenswerte über die Biologie der im Wasserturm selbst, wie auch in dessen unmittelbarer Umgebung vorkommenden Tier- und Vogelarten. 

Auf dem Vor-Platz ist eine dem NABU-Kaiserstuhl von der Firma Johann Wintermantel aus Donaueschingen www.wintermantel.de gestiftete CRESTA Stein- und Naturmauer als Anschauungsobjekt aufgebaut.

Die rückseitige Aufschüttung dieser Mauer wird von der „Stiftung Kaiserstühler Garten“ mit alten heimischen Sorten (Gemüse, Blumen und Stauden) bepflanzt.

Von der Gemeinde wurde eine Pergola mit Bänken aufgestellt. Sie laden ebenso zum Verweilen ein, wie der gesamte neu gestaltete Uferbereich. 

Der Wasserturm steht am östlichen Orts-Eingang und ist zusammen mit der 5-Bogen-Brücke zu einem Wahrzeichen von Eichstetten geworden. Direkt an der S-Bahn-Station gelegen ist er gleichzeitig Ausgangspunkt der 3 Eichstetter Kultur- und Naturlehrpfade, wie auch ein Kreuzungspunkt überregionaler Radwege.

 Unser besonderer Dank gilt der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg und der Stiftung des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, die mit einer großzügigen finanziellen Förderung dieses Projekt unterstützt haben.

Ebenso einen Dank an die Firma Johann Wintermantel aus Donaueschingen und der Firma Hiss-Fachmarkt GmbH in Eichstetten für Ihre spontane Bereitschaft, dies Projekt zu unterstützen.

            Bilder zum Projekt Wasserturm.  

                                             

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