Postillonböschung 2013

  

Stabile Basis

Im Frühjahr 2012 war der Postillon wieder an „seiner“ Böschung anzutreffen. Der warme Sommer 2012 tat ein Übriges. Diese Population an der äußersten Verbreitungsnordgrenze kann jetzt, weitere fachgerechte Pflege vorausgesetzt, sicher gut überleben, wenngleich es jahrweise weitere Schwankungen, bedingt durch den Witterungsverlauf des jeweiligen Jahres, geben wird.
 
 Aber das Habitat als solches konnten wir durch die Pflegemaßnahmen, die 2013 ins 10. Jahr gehen, in einen für den Postillon idealen Halbtrockenrasen umformen. Die Hybridweiden sind verschwunden, bzw. treiben nur noch als kleinwüchsige Büsche alljährlich wieder aus. Sie lassen sich dadurch, dass sie einmal jährlich mit dem Gras abgemäht werden, problemlos weiter zurückdrängen. Auch die Goldruten stellen kein Problem mehr dar, denn sie sind nur noch in Einzelpflanzen anzutreffen.  

Ansonsten wächst auf der Böschung ein reichhaltiges Mosaik aus Magerrasen unterschiedlichster Ausprägung, vom steinigen Übergang zum Volltrockenrasen bis hin zu einem feuchteren Abschnitt, der alljährlich im Herbst noch einmal in voller Blüte steht und somit den Postillonfaltern, wie vielen anderen Insekten, einen reich gedeckten Tisch bietet. Bis zur Unterschutzstellung wird es wohl noch eine Weile dauern, denn noch hat der Eichstetter Gemeinderat Klärungsbedarf angemeldet.

Die Pflege der Böschung ist seitens des Landratsamts mittlerweile an den Landschaftserhaltungsverband (LEV) Breisgau-Hochschwarzwald übergeben worden, der sie vom Juli 2013 an durch den Maschinenring Breisgau mähen läßt. Eine genaue Einweisung unsererseits war zuvor erfolgt.  

Jedoch, der Maschinenring pflegte leider gar nicht so, wie es der Pflegeplan vorsah. Er ließ das Schnittgut viel zu lange liegen, entfernte es erst dann, als wir es angemahnt hatten. Aber für den letzten, den wertvollsten Abschnitt, der stets erst Ende September gemäht werden sollte, sagte man uns zu, dass jetzt, wo alle personellen Probleme behoben wären, es keine weiteren Verzögerungen mehr gäbe. 

Wir hätten uns nicht darauf verlassen sollen, denn Mitte Oktober war der vorderste Abschnitt immer noch nicht gemäht! Für den Postillon ist dies eine Katastrophe. Der Falter flog im Oktober 2013 zwar in großer Anzahl, aber die Weibchen konnten im ungemähten Abschnitt nicht ihre Eier ablegen. Nur dieser aber hat jene spezielle Wärmelage, die alleine es der Raupe ermöglicht, die kalten Winter in Mitteleuropa zu überleben.

Ohne Mahd im September treiben Luzerne und Bunte Kronwicke im Spätherbst nicht mehr aus und darum legten die Weibchen notgedrungen in den anderen zuvor gemähten Abschnitten und an den vom Bauhof gemulchten Füßen anderer Böschungen ab. Dort aber hat die wärmebedürftige Postillon-Raupe keine Chance einen normalen mitteleuropäischen Winter zu überstehen.

Nun ist die Population darauf angewiesen, dass der Winter extrem mild bleibt. Ansonsten wird sie zwangsläufig aussterben und die Eichsteter Postillon-Böschung ist somit darauf angewiesen, dass irgendwann in den nächsten Jahren eine Neueinwanderung aus Südeuropa stattfindet.

 

Jürgen Hensle, im Oktober 2013


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